Canadas Westen und Alaska 2005: Tagebuch Teil 1

Von Brettorf (Deutschland) nach Whitehorse (Yukon, Canada)


Samstag 30. April:
Von Brettorf nach Vancouver

Sonntag 1. Mai:
Vancouver

Montag 2. Mai:
Von Vancouver nach Victoria

Dienstag 3. Mai:
Victoria

Mittwoch 4. Mai:
Nach Ucluelet

Donnerstag 5. Mai:
Pacific Rim Nationalpark

Freitag 6. Mai:
Zurück nach Vancouver

Samstag 7. Mai:
Nach Harrison Hot Springs

Sonntag 8. Mai:
Nach Cache Creek

Montag 9. Mai:
Nach Revelstoke

Dienstag 10. Mai:
Nach Banff

Mittwoch 11. Mai:
Banff

Donnerstag 12. Mai:
Nach Lake Louise

Freitag 13. Mai:
Nach Jasper

Samstag 14. Mai:
Nach Hinton

Sonntag 15. Mai:
Nach Dawson Creek

Montag 16. Mai:
Nach Fort Nelson

Dienstag 17. Mai:
Nach Liard River Hot Springs

Mittwoch 18. Mai:
Nach Watson Lake

Donnerstag 19. Mai:
Nach Whitehorse

Freitag 20. Mai:
Whitehorse


  Samstag 30. April: Von Brettorf nach Vancouver  


Am Freitagabend stellte ich die Tischtennisplatte auf der Diele auf und begann nach meiner immer wieder verbesserten "Klamottenpackliste" unsere Sachen anzuhäufen. Der Berg wurde immer größer und schließlich war von der Tischtennisplatte nichts mehr zu sehen. Packgefäße: Zwei für unsere Verhältnisse recht große Koffer, zwei Rucksäcke, die mit an Bord sollten und die Gitarre. Also los. Teil für Teil verschwand in den Koffern und dank meines Packgenies wurde der zweite Koffer sogar nicht mal randvoll. Fein, das bedeutet Platz für die Einkäufe.

Um 04:00 Uhr aufstehen, ein Kaffee in aller Gemütlichkeit mußte sein. Dann das Verabschieden von Sammy, unserem jungen Hausgenossen: das dauerte schon länger. Michael wird sich schon ausgiebig um ihn kümmern.

Endlich waren wir am Flughafen Bremen unser Gepäck los. Zum ersten Mal mußte ich meine Gitarre als Sondergepäck an einem speziellen Schalter abgeben. Ob sie da besser behandelt wird?

Flug Bremen - Frankfurt 06:15 - 07:15 Uhr Schon im Vorfeld hatte ich Schwierigkeiten mit der Zeitumrechnung: Toronto -6 Stunden, Vancouver -9 Stunden. Um ein Zeitgefühl für die Dauer des Fluges zu vermitteln, werde ich die Zeiten in MESZ (Mitteleuropäischer Sommerzeit) angeben.

In Frankfurt hatten wir Zeit bis um 10:50, die wir hauptsächlich verschliefen. Kurz vor Abflug lernten wir unsere Reisegenossen kennen. Von Schleswig-Holstein über Berlin bis in die Schweiz geht das Spektrum: Es wird sicherlich interessante Begegnungen geben!

Pünktlich hob der Airbus A340 der Canadian Airline ab. Meine Befürchtungen, daß der Flieger so eng wie beim Charterflieger seien, bewahrheitete sich nicht. Die Zeit verging mit Essen und Schlafen und nach 7 Stunden landeten wir um 17:30 Uhr (13:30 Ortszeit = -4 Stunden) in Toronto.

Canada Hier mußten wir mit unseren Koffern durch den Zoll und ich mußte sogar meine Stiefel ausziehen und durch das Röntgengerät laufen lassen. Dadurch wurde die Zeit zu dem Anschlußflug nach Vancouver knapp und wir kamen gerade zum Aufruf zurecht. Um 19:00 Uhr hoben wir nach Vancouver ab. Der Airbus A220 war sehr bequem, der Service der Canadian Airline gut. Um 02:00 Uhr landeten wir (Ortszeit 17:00 Uhr). Der Reiseleiter vergaß gleich zwei Leute am Flughafen, die per Taxi noch vor uns am Hotel waren.

Nach 20 Stunden Flug konnten wir nur noch in die Betten sinken, der angekündigte Jetlag kümmerte uns nicht, wir schliefen durch bis zum anderen Morgen.

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  Sonntag 1. Mai: Vancouver  


British Columbia Wir waren gespannt auf die Stadt, schwärmen doch Alle, die mal dort waren, von ihr. Um unser Hotel herum ist jedenfalls nichts schwärmerisches, nur häßliche Glasstürme zum Wohnen. Der Busfahrer, der vor 50 Jahren aus Deutschland eingewandert ist, erzählte uns, daß die Grundstücke in Vancouver sehr teuer sind, was die Minigrundstücke mit den Minihäusern darauf erklärt, die wir auf der Fahrt zur Capilano Suspension Bridge sahen. Der Abstand der Häuser beträgt nicht einmal zwei Meter.

Die Capilano Suspension Bridge ist eine 140m lange Hängebrücke über einen 70m tiefen Canyon. Auf beiden Seiten ist ein schöner Park in den Wald integriert worden.

Die weitere Rundfahrt führte uns durch den Stanley Park, einen wirklich herrlichen Stadtpark. Hier kann neben den letzten Urwalddouglasien auch wunderschöne Original-Totempfähle sehen.

Eine Seilbahn brachte uns auf den 1100m hohen Grouse Mountain, von dem man einen wunderschönen Blick über Vancouver hat. Leider war es für Fotos ein wenig zu diesig, doch die Sonne entschädigte uns dafür ein wenig.

Eine Fahrt durch Chinatown rundete die Rundfahrt ab. Diese chinesische Siedlung ist nach San Francisco die größte in Nordamerika.

Erwähnenswert ist die Steam Clock, die einzige mit Dampf betriebene Uhr der Welt, die alle viertel Stunde aus fünf Dampfpfeifen die Zeit pfeift.

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  Montag 2. Mai: Von Vancouver nach Victoria  


Heute Morgen war es endlich soweit: Wir übernahmen unsere Wohnmobile.
Der Bus brachte uns zu Fraserways, dem Vercharterer. Der Papierkram mußte erst noch erledigt werden. Es mußten 687 Ca$ für eine Zusatzversicherung bezahlt werden, die die Unfallselbstbeteiligung auf 500 Ca$ begrenzte. Campingstühle waren an Bord, für einen Campingtisch waren 20 Ca$, für eine zusätzliche Decke 7 Ca$ zu löhnen.
Sehr gründlich wurde das Auto abgenommen, jede Kleinigkeit vermerkt. Wir haben ein 22´ Alkovenfahrzeug, die Basis ist ein Achtzylinder Ford. Die Maschine röhrt wie ein Schnellboot der Marine, frißt auch dementsprechend Benzin, es sollen ca. 24 l/100km sein. Der Wagen hat Automatikgetriebe, Tempomat und Klimaanlage. Das Geschoß ist 3 m breit, das ist hier üblich! Die Koffer wurden nur hineingestellt, dann ging es los. Damit wir nicht zu euphorisch wurden, regnete es.

Den Fraser River ging es flußabwärts nach Tsawwassen, wo wir die Fähre nach Victoria Island nahmen. Der Regen ließ es nicht zu, daß wir die Fahrt durch die Inselwelt an Deck genießen konnten. Die Seehunde, die sich durch das Schiff nicht stören ließen, dachten offensichtlich anders. Zielort der heutigen 70 km langen Etappe war Victoria, die Provinzhauptstadt von British Columbia. Ehrlicherweise muß ich sagen, daß die Etappe für den ersten Tag lang genug war. Noch war ich viel zu sehr damit beschäftigt, das Auto kennenzulernen, wie die Bremsen reagieren, wie auf Wind, Gaspedal, Lenkbewegungen, als auf die Umgebung zu achten. Und dann war da noch der Einkauf. Die Grundausstattung des Womos war zu besorgen. Aber auch da bot das Roadbook von Seabridge-Tours gute Hilfe und empfahl ein Einkaufszentrum am Wege.
Ein riesiger Supermarkt erwartete uns. Der war so gut bestückt, daß das Einkaufen nach drei Artikeln keinen Spaß mehr machte. Es gab nicht eine Sorte Vollmilch, sondern vier, nicht drei Sorten Naturyoghurt, sondern sechs. Usw. Völlig erschlagen erreichten wir die Kasse. Dort brauchten wir den Einkauf nur noch auf das Band zu legen, weiter transportieren und in Tüten wieder in Einkaufswagen verfrachten, dafür sorgten freundliche Hilfen. Daß das Ganze dann 250 Ca$ (= 162 €) kostete, wunderte uns dann nicht mehr. Canada ist teuer. Das macht schon jeder Reiseführer deutlich. Ich werde später wieder darauf zurückkommen.

Schließlich erreichten wir unseren Campground in der Westbay Marine Village. Für mich ein guter Platz, haben wir doch eine schöne Sicht auf die Marina. Zum Abend war die Sonne doch wieder herausgekommen und über die Bucht erstrahlte die Altsstadt Victorias in abendlichem Glanz.

Ein Bier in froher Runde beendete diesen Tag.

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  Dienstag 3. Mai: Victoria  


Auf dem Plan stand heute die Eroberung Victorias. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite, so daß wir am Abend einen kleinen Sonnenbrand hatten.
Die Harbourferries sind lustige, kleine, überdachte, kibbbelige Boote, die uns vom RV-Place (=recreation place for vehicles; das muß man erst mal wissen!) in die Stadt brachten. Der Käpt´n erzählt unterwegs Döntjes über Land und Leute, so vergeht die Fahrt schnell.

Victoria ist die Hauptstadt von British Columbia (BC) und wenn ihr wirtschaftlich auch Vancouver längst den Rang abgelaufen hat, so hat sich ihren altenglischen Charme erhalten. Nach einem Rundgang durch Downtown ist es ein schöner Abschluß, in einem der kleinen Straßencafés in der Sonne zu sitzen und mit Blick über den Hafen den Afternoon Tea englischer als die Engländer zu zelebrieren oder doch lieber ein Guiness oder wenn man schon in Canada ist, ein canadisches Dark Ale zu trinken.

Am Abend lud Seabridge zum Welcome Dinner. Im Restaurant des Campingplatzes wurde Lachs mit Brie überbacken und Kapern auf Basmatireis und gebackener Süßkartoffel gereicht. Ein Gedicht! Ein Riesensalat als Vorspeise und heißer Apfelkuchen mit Vanilleeis rundeten das Mahl ab.
Nach einem Dark Ale als Nach-Nachtisch schlief es sich wunderbar.

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  Mittwoch 4. Mai: Nach Ucluelet  


Mit 320 km stand uns eine lange Etappe bevor: Es ging den Trans Canada Highway No.1 (TCH) nach Norden.
In Duncan bot sich ein erster Halt. Duncan nennt sich "City of Totems" und versucht, mit mehr oder weiniger gelungenen Totempfählen die Touristen anzulocken.
Das ist Chemainus schon wesentlich besser gelungen. Schon vor vielen Jahren begann man, freie Fassadenflächen mit Bildern zu bemalen. Heute schmücken mehr als dreißig dieser "Murals" dies ohnehin schmucke Städtchen und laden zum Rundgang ein.

In Nanaimo verließen wir TCH und folgten dem Highway No. 4 zum Pacific Rim Nationalpark nach Ucluelet. Das Wetter hatte uns im Stich gelassen und es nieselte ohne Unterlaß. Unterbrechungen gab es nur durch Regengüsse. Trotzdem mußte ein Stop am MacMillan Provincial Park eingelegt werden. Bis zu 800 Jahre alte und 75 m hohe Douglastannen lehrten uns das Staunen.

Über die Berge der Mackenzie Range, durch dichten Nadelwald, kurvenreichen Strecken entlang am Kennedy River ging es 100 km nach Ucluelet. Ein wunderschöne Strecke, wenn das Wetter besser gewesen wäre!

Auf dem Ucluelet Campground fanden wir einen Platz mit Blick auf den Small Boat Harbour und das nostalgische Restaurantschiff Canadian Princess. Ein gemütlicher Abschluß bei kleinen Leckereien und Bier ließen uns das feuchte Wetter vergessen und hoffen, daß morgen bei der Erkundung des Pacific Rim Nationalparks wieder die Sonne scheint.

Eine Bemerkung noch zum Funknetz. Bis jetzt gab es keine Schwierigkeiten, der Einzugsbereich Vancouvers ist groß. Doch schon hier wird das Funknetz dünn. Mal sehen, wie lange es noch vorhanden ist! Bisher war der Netzbetreiber Fido, jetzt haben wir Rogers Wireless und alle Versuche gegen 21:00 Ortszeit (6:00 MESZ) scheiterten: Server besetzt, Verbindung beendet usw.

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  Donnerstag 5. Mai: Pacific Rim Nationalpark  


Auch heute morgen keine Verbindung. Es liegt nicht am Netz. Das steht. Telefonieren klappt hervorragend. Der Netzbetreiber scheint keine Daten zu übertragen.

Das Wetter war zum Eier ausbrüten! Kanada hat für mich etwas mit "da oben " zu tun und immer wieder muß ich mir sagen, daß ich hier auf der Höhe von Mailand bin!
Der Pacific Rim Nationalpark wollte heute erkundet werden. Ich war gespannt. Der Reiseführer ist nicht sehr ausführlich. Hier sind die schönsten und wildesten Abschnitte der West Coast unter Schutz gestellt. Uralter Regenwald, zerklüftete Felsen und von Treibholz übersäte Strände. Zahlreiche Trails laden zum Wandern ein. Ich habe versucht zu erkennen, was ein nichttropischer Regenwald ist, es ist mir nicht gelungen. Das Unterholz ist so dicht, daß man kaum hindurchkommt. Ist das ein Merkmal?
Schließlich landeten wir an der Long Beach, von der gesagt wird, daß sie zu dem Schönsten gehört, was British Columbia zu bieten hat. 11 km lang und teils mehrere hundert Meter breit lädt der Strand zum Spazierengehen ein. Er ist übersät mit Treibholz, aber nicht von der Größe, wie es kennen, sondern Baumstämme teils mit Wurzeln, teils 1,50 m Durchmesser, teils 20 m lang. Gerade, gebogen, alles vom Meer glattgeschliffen, liegt es am Strand zu skurilen Figuren aufgetürmt. Die Wellen des Pacific branden in schöner Gleichmäßigkeit an den Strand und fordern die Surfer heraus. Ruhige Stunden erwarten uns hier.
Am Abend kommen wir vollgetankt mit Sonne zum Campingplatz nach Ucluelet zurück, wo uns ein Lagerfeuer und ein Grill erwarten. Bei gemeinsamem Schmausen klingt der Tag aus.

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  Freitag 6. Mai: Zurück nach Vancouver  


Wir erlaubten uns, heute keinen Wecker zu stellen und wachten trotzdem um 1/2 8 Uhr auf. Vor uns lagen nur 190 km nach Nanaimo zur Fähre, die uns nach Vancouver zurückbringen sollte. Der anfangs graue Himmel wurde immer blauer, so daß wir am MacMillan Provincial Park noch einmal einen Stop einlegten, um die alten Baumriesen länger in uns aufzunehmen.

Nach Nanaimo war es dann nicht mehr weit und die Abfahrt der Fähre ließ nicht mehr lange auf sich warten. Anders als auf der Fährfahrt nach Victoria zog der Sommer alle Register und ließ die 90 Minuten wie im Fluge vergehen. In Vancouver-Nord angekommen, gönnten wir uns die Fahrt an der Küste entlang, dem Marina Drive zum Campingplatz an der Lions Gate Bridge. Bei dem Sonnenschein meinte man, eine Küstenpromenade in Spanien entlang zu fahren.

Den Nachmittag wollten wir nicht noch einmal nach Vancouver hinein, so schön ist die Stadt nun auch wieder nicht. Sommerfrische auf dem Campground war angesagt.

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  Samstag 7. Mai: Nach Harrison Hot Springs  


Hoffentlich wechselt bald der Netzbetreiber! Er fragt zwar mit penetranter Ausdauer, ob wir die Zeitzone wechseln wollen, aber ins Internet läßt er uns nicht und damit kann ich diese Seiten nicht updaten. Das Telefon funktioniert bestens, mitten in der Nacht werden wir von irgendwelchen Leuten geweckt, die uns etwas verkaufen wollen.

Wieder einmal mußten wir tanken. Der Liter unleaded regular (Einfach bleifrei) kostet ca. 99 CanCent (~ 75 EuroCent) und es stimmt, der Wagen verbraucht gut 23 Liter! Auch Einkaufen war wieder angesagt und die Preise schockierten uns nicht mehr ganz so. Bier, Wein und sonstigen Alkohol bekommt man nur in lizensierten "Liqour Stores". Da kostet eine Dose Bier schnell 2 Can$, während ein alkoholfreies Bier im Supermarkt 75 CanCent kostet.

Da unser Übernachtungsplatz direkt am THC 1 lag, war das Verlassen von Vancouver kein Problem. Es war nur sehr langweilig, da hier der Highway zur Autobahn ausgebaut war. Also verließen wir ihn in Abbotsville, um auf die andere Seite des Fraser Rivers auf den Highway 7 zu kommen. Die Durchfahrt durch Abbotsville war nicht einfach, zu viele Erklärungen waren konträr. Nach einer kleinen "Stadtbesichtigung" fanden wir unseren Weg und waren froh, denn der Weg führte uns durch die Ebene des Fraser Rivers, eine Farmlandschaft, die wir interessiert betrachteten. Auch hier viel uns auf, was auch in anderen Landschaften, in den Bergen, besiedelten Tälern, in der Prärie immer in´s Auge stach: Es gab viele vergammelte Häuser; Unrat und Schrott war auf den Grundstücken angehäuft. Aber auch schöne und große Farmhäuser, gepflegte parkähnliche Anlagen. Die Berghänge stiegen sanft an, es sah ein wenig schwedisch aus, nur alles etwas großzügiger. Schließlich erreichten wir Harrison Hot Springs, einen kleinen Badeort, der seine bescheidene Bedeutung einer heißen schwefelhaltigen Quelle verdankt. Ein traumhaftes Bergpanorama wie aus einem Kitschroman - in dem See spiegeln sich satte grüne Hänge, über denen Schneekuppen blinken - tut das Seine, um Besucher anzulocken. Mittlerweile recht ungewohnt klang es, als uns der deutsche Campingplatzbesitzer einwies.

Der Abend klang aus bei einem gemeinsamen Essen im Black Forrest, das einem Schwarzwaldhaus bis zur Musik nachempfunden war. Sogar die deutsche Bedienung fehlte nicht. Wir konnten uns nicht zu Hackse mit "Sourkraut" versteigen, wir ließen uns statt dessen einen Wildlachs auf Reis munden.

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  Sonntag 8. Mai: Nach Cache Creek  


Weiter führt uns der Trans Canada Highway No. 1. dieses Mal 260 km nach Norden. Einen ersten Stop legten wir bei Hope ein, um die Othello Quintette Tunnels zu besichtigen. Hier führt ein kleiner Trail durch vier ehemalige Eisenbahntunnel. Doch diese waren auf Grund falling rocks gesperrt. Es blieb uns der Ausblick auf den Coquihalla Canyon und seine brütenden Wildgänse. Ein lohnender Spaziergang.

Der TCH 1 folgt weiter dem Fraser River und es bieten sich herrliche Ausblicke auf den Canyon. Ein Stop am Hells Gate Canyon ist unbedingt erforderlich. Hier verengt sich der Faser Canyon bis auf 34 m Breite. Im Frühjahr schießen hier 15 Mio. Liter Wasser pro Sekunde durch die Enge und erschweren den Lachsen den Aufstieg. Eine Lachstreppe erleichtert den bis zu 350.000 Lachsen den Weg in ihre Laichgründe. Mit einer Seilbahn kann man den 153 m tiefen Abstieg zum Ufer leicht überwinden, einen Fußweg gibt es auch.

Unser heutiges Ziel liegt 11 km nördlich von Cache Creek, das einen etwas vergessenen Eindruck macht, auf der Historischen Hat Creek Ranch. Hier ist auf einem letzten für die Öffentlichkeit zugänglichen Teilstück der 1862 bis 1865 angelegten Cariboo Waggon Road die wichtigsten Gebäude einer Raststätte für Postkutschen und Frachtwagen aus dem Jahr 1860 erhalten geblieben. Die zugehörige Ranch vermittelt einen guten Eindruck der damaligen Zeit.

Auf dem Gelände der Ranch ist auch ein Native Interpretation Center der First Nation, wie sich die Indianer selbst bezeichnen, vom Stamme Shuswap zu besichtigen. Beispielhaft sind hier die verschiedenen Hütten, Gebrauchsgegenstände und Spiel zu sehen. Eine Nachfahrin der Shuswap steht für Fragen bereit.

Der Campground liegt gleich neben dem Empfangsgebäude in der freien Prairie. Das warme Wetter lockte uns, bei einem Lagerfeuer mit gegrilltem Fleisch und Liedern zur Gitarre dieses weite geschichtsträchtige Tal in uns einwirken zu lassen. Es wurde eine lange Nacht.

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  Montag 9. Mai: Nach Revelstoke  


Von Cache Creek ging es nach Osten, wieder auf dem TCH 1. Der Highway führt die 320 km nach Revelstoke an einer Perlenkette von Seen vorbei. Auf unserer Karte (1:1.350.000) sind meisten nicht eingezeichnet, obwohl sie nach unseren Maßstäben riesig groß sind. Bilder wie aus einem Postkartenkalender boten sich uns und luden zur Rast. Wir hatten das Gefühl in einem Norwegen aus der Sicht von Liliputanern zu sein, so weitläufig war alles. Oft hielten wir an, wir konnten uns nicht satt sehen. Immer öfter lugten vor uns schneebedeckte Gipfel über die Berge. Ein geruhsames Fahren, das auch andere Autos nicht störten. Auch wenn wir nicht die erlaubte Höchstgeschwindigkeit fuhren, gab es keine Drängler, selten überfuhr einer die durchgezogene Mittellinie. Die Fahrer sind im Gegensatz zu Deutschland sehr diszipliniert.

Plötzlich sprang von der Böschung ein Wolf auf die Straße. Ein schönes Tier, groß und grau, mit einem stolzen buschigen Schwanz. Stand einen Augenblick da wie ein Standbild und verschwand wieder. Am hellichten Tage!

Einen Gedenkhalt legten wir in Craigellachie ein. Hier wurde 1885 der letzte Nagel in die Schwellen der transkontinentalen Eisenbahn eingeschlagen. Heute unspektakulär, aber eine Pioniertat, die des Gedenkens wert ist.

4 km südöstlich von Revelstoke, am Williamson´s Lake liegt unser Campground. Endlich Zeit, das Tagebuch weiterzuführen. Und immer noch keine Internetverbindung. Der Wind weht kalt, es verspricht, eine kalte Nacht zu werden.

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  Dienstag 10. Mai: In die Rocky Mountains nach Banff 


Was sagt unser Roadbook von Saebridge? "Wir fahren auf dem landschaftlich attraktivsten Abschnitt des TCH in die fantastische Bergwelt der Rocky Mountains." Ich weiß ja nicht, was uns noch erwartet, aber da wir den Trans Canada Highway in Banff verlassen, hat es wohl recht.

Noch in Revelstoke kamen wir in den Mt. Revelstoke National Park und Canada wurde so, wie man es sich erträumt, oder in Filmen gesehen hat: Dunkle Nadelwälder stiegen auf beiden Talseiten steil an, die Gipfel waren alle weiß. Der TCH schlängelt auf halber Talhöhe über der Eisenbahntrasse das Tal entlang. Hier hat die Eisenbahn noch eine große Bedeutung. Es fährt ein Güterzug nach dem andern, es sind nur wenige Kilometer Abstand und die Züge sind endlos lang. Wir haben schon über 125 Waggons pro Zug gezählt!

Der Highway windet sich langsam bergauf, wir kommen in Glacier National Park. Je höher der TCH ansteigt, desto tiefer kommt der Schnee. Bald begleitet er unseren Weg. Tunnel machen sie Straße sicherer, vor Lawinen wird gewarnt. Am Rogers Pass sind wir 1335 m hoch. Schneegekrönte Felszacken säumen den Pass, die Sonne wärmt Alles. Neben dem Information Center macht ein Columbian Ground Squirrel (Erdhörnchen) die Honneurs und läßt sich durch uns nicht stören. Ist es von der Parkverwaltung angestellt? Alle Stichstraßen in Seitentäler sind noch gesperrt. Vor Ende Juni läuft da nichts.

Beim Verlassen des Glacier National Parks werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß wir in eine neue Zeitzone kommen und, da wir nach Osten gefahren sind, die Uhren eine Stunde vorstellen müssen. Nun haben nur noch 8 Stunden Unterschied zur MESZ.

Die Rockies kommen immer näher. Die Felszacken werden immer höher und wilder. Wie alle Stichstraßen ist auch die zu den Takkakkaw Falls noch gesperrt. So konnten wir uns die zweitgrößten Wasserfälle Kanadas nicht ansehen.

Eine technische Sehenswürdigkeit ließen wir uns nicht entgehen: Den Lower Spiral Tunnel. Um die 1907 zu steile 4,5% Steigung auf fahrbare 2,2% zu bringen, bauten Ingenieure nach Schweizer Vorbild eine Kehre mit anschließendem Tunnel, der mit einem Bogen von 226° unter sich hindurch führt. Die Gleisführung sieht aus wie ein spiegelverkehrtes "&". Wenn ein Zug lang genug ist, sieht man ihn dreimal.

Weiter geht es zum Banff National Park und damit den Rocky Mountains entgegen. Oft halten wir einfach am Highway, die Aussichten sind einfach zu gewaltig. Mit der Einfahrt in den Banff National Park verlassen wir British Columbia und fahren nach Alberta ein. Es ist kalt geworden. Das liegt nicht nur daran, daß die Sonne hinter Wolken verschwunden ist, der Schnee wirkt wie ein Kühlschrank. Am Eingang zum Campground sahen wir das erste Caribu, auf dem Waldampingplatz dann weitere. Ein schöner Platz, mitten im Naturpark mit Blick auf die Rockies. Da mußte ein Festessen her: Steak mit Gemüse und Bier, zum Nachtisch Erdbeeren.

Schon kurz hinter Revelstoke hatten wir kein Telefonnetz mehr und, oh Wunder, hier in Banff ist der Betreiber von Vancouver, Fido, wieder da. Das läßt hoffen, daß auch das Internet wieder funktioniert!

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  Mittwoch 11. Mai: Banff  


AlbertaDiese Nacht war es kalt. Ich merkte es, wenn in der Nacht ein Fuß aus dem Bett hing und die Kälte mich weckte. Heute Morgen entdeckte ich einen 30 cm hohen Eiszapfen neben meinem Auto, wo der Wasserschlauch tropfte. Es dauerte dann auch eine Zeit, bis er soweit aufgetaut war, daß ich ihn verstauen konnte.

Unser Roadbook schlug uns für heute einen ausgiebigen Bummel durch Banff vor. Doch schon die Durchfahrt hatte uns gereicht. St. Moritz in den Rockies. Nicht unser Fall. Statt dessen folgten wir dem Rat, mit der Seilbahn auf den Sulphur Mountain zu fahren. Das Wetter war wie dafür bestellt: strahlend blauer Himmel, kein Wölkchen trübte die Fernsicht. Der Prospekt lockte: "See more mountains in a moment than most see in a lifetime!" Ein Schweizer kann sicher darüber lächeln, wir Flachlandtiroler aber waren beeindruckt. Weißgepuderte Felszacken rund um das ausgedehnte Tal von Banff. Das Panorama der Rocky Mountains zum Träumen!

Gleich neben der Talstation liegen die Banff Upper Hot Springs, in denen seit dem Bau der Eisenbahn 1884 gebadet wird. In dem 40° heißen Thermalpool waren wir sofort in die Hot Pots in Islands versetzt. Wir wurden wohlig durchwärmt, lagen faul im Wasser und träumten in das Panorama des gegenüberliegenden Gipfels, dessen weiße Haube im stahlblauen Himmel strahlte. Ein schöner Abschluß des heutigen Tages - nicht ganz, es wartet noch in der Gruppe ein Glühwein auf uns.

Trotz Fido klappt das Netz nicht. Ich habe meinen Computerservice zuhause angerufen, der wird nun bei Vodafone oder Telekom versuchen herauszubekommen, was zu tun ist. Kein Telefonnetz ist ja schon frustrierend genug, aber Telefon und kein Internet ...

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  Donnerstag 12. Mai: Nach Lake Louise 


Die heutige Strecke von 70 km war dem Wetter angemessen. Strahlender Sonnenschein ohne Wolken - da wollten wir nicht viel fahren.
Die letzten Meter auf dem Trans Canadian Highway No. 1. Es wäre bestimmt interessant, ihm nach Westen zu folgen! Wir aber folgten dem Highway 1a nach Norden durch den Banff National Park. Diese Strecke bis Lake Louise verläuft parallel zum TCH No. 1, den wir auf der Herfahrt bei bedecktem Wetter gefahren sind. Jetzt, bei Sonnenschein, nach Norden, auf der kleineren Straße ist es ein ganz anderes Erlebnis. Die Berge sehen grandioser aus. Eine Aktivpause legten wir am Johnston Canyon ein, dem wir bis zu den Lower Falls folgten. Wir fühlten uns an Sonnleitners "Höhlenkinder im heimlichen Grund" erinnert. Die Wände hingen oft über, der Steig über dem Wasser an die Wand geklebt. Schnee lag in den Spalten. Es war kühl.
Danach hatten wir uns eine lange Sonnenpause verdient.

Lange haben wir uns in der Gruppe über den Unterschied von Elk, Wapiti, Caribou, Moose unterhalten. Endlich habe ich mir in der Buchhandlung angeschaut: Also, was ich am 10. Mai auf dem Wege nach Banff gesehen und fotografiert habe, ist kein Caribu, sondern ein Elk oder Wapiti, das ist nämlich das Gleiche! Ein Elk ist unserem Hirsch ähnlich, das Geweih ist mehr nach hinten geneigt. Ein Caribou ist ein Rentier und ein Moose ist ein Elch. Verwirrend, aber doch ganz logisch, oder? Dann gibt es ein White Tail Deer, unserem Rehwild ähnlich. Markenzeichen ist der auf der Unterseite weiße Schwanz, der bei der Flucht hochgestellt wird und weithin leuchtet.

Wieder sahen wir Wapitis, die in aller Ruhe an der Straße weideten. Sie ließen sich auch nicht stören, als die Straße von haltenden Autos blockiert war. Die Tiere wissen, daß sie im Nationalpark geschützt sind.

Lake Luise. Der See war noch gefroren, Scharen von Bustouristen wurden an die Promenade gekarrt. Hinter uns das riesige Hotel. Wir lieben mehr die Einsamkeit.

Der Campingplatz lag sehr schön im Wald und bot Strom und Wasser. Wieder ließ eine gemeinsames Grillen den Abend gemütlich ausklingen.

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  Freitag 13. Mai: Nach Jasper 


Unser Roadbook versprach uns heute "die womöglich großartigste alpine Panoramastraße der Welt"! Der Highway 93, der Icefields Parkway, führt mitten durch den Banff National Park der Rocky Mountains. Das heißt, wir fuhren im Tal des Bow River nach Norden, flankiert von 3.000ern, die im strahlenden Blau ihre weißen Kappen stolz aufragen ließen. An jeder Ecke hielten wir an und konnten uns doch nicht satt sehen.

Plötzlich wieder ein Stau. Das konnte nur Wildlife bedeuten. Das durfte nicht war sein: Da äst seelenruhig ein Schwarzbär am Straßenrand. Das Fell glänzte schwarz schwarzmetallic in der Sonne. Nicht tapsig, sondern geschmeidig bewegte er vor uns hin und her bis ihm die Staunerei zu viel wurde und er im Wald verschwand. Die Kulisse der Rocky Mountains paßte gut zu ihm.

Nahtlos ging der Banff N.P. in den Jasper National Park über und der Highway schraubte sich langsam bis auf 2.000 m hoch. Am Columbia Icefield gab es die Möglichkeit, den Athabasca Gletscher aus der Nähe zu sehen. Man konnte auch mit einem Eismobil auf das Eis fahren, was wir aber unterließen, so aufregend war er nicht.

Sehenswerter waren da schon die Athabasca Fälle kurz vor Jasper, die Photolen (runde Löcher) in den Fels geschmirgelt hatten.

Nach 240 km ununterbrochener Eindrücke und sonnenverbrannt kamen wir rechtschaffen müde in Jasper an.

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  Samstag 14. Mai: Nach Hinton  


Es ist schwer, nach zwei Tagen noch die richtigen Worte zu finden. Man sollte immer sofort schreiben, aber manchmal kommt eben etwas dazwischen, wenn es auch nur ein Bier ist.

Wer die Tagesetappen aufmerksam vergleicht, dem wird auffallen, daß diese Etappe nicht über Prince George nach Dawson Creek führt. Diese Strecke hier ist 280 km kürzer.

Es ging den Highway 16, den Yellowhead Highway nach Norden. Wir hatten das Glück, ein Rudel Bighornschafe zu treffen und portraitieren zu können. Kurz vor Ende des National Parks bogen wir rechts ab und es ging hoch nach Miette Hot Springs. Diese heißen Quellen liegen einsam in den Bergen und außer dem Bad gibt es da nichts. Wir ließen es uns gut gehen und aalten uns im 40°C heißen Wasser. Auf der Rückfahrt zu zum Highway trafen wir wider auf, tja was war es denn? Es hatte einen Schwanz, aber der war ganz weiß, also kein White Tail Deer, aber ein Wapiti war es auch nicht, denn die haben keine Schwänze. Also ich weiß es nicht.

Dann hieß es Abschied nehmen von den Rocky Mountains, bei Hinton waren wir schon aus den Bergen heraus, es blieb nur ein wehmütiger Blick in den Rückspiegel. Auf einem Campground im William A. Switzer Provinzial Park fanden wir einen Platz für die Nacht. Jeder Platz hat einen Feuerstelle und gehacktes Holz für Jedermann ist vorhanden. Immer noch gibt es hier kein Netz.

Da morgen die Kilometer-Knüppelei anfängt, sollten wir eigentlich früh schlafen gehen, doch am Lagerfeuer war es so gemütlich,daß daraus nichts wurde.

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  Sonntag 15. Mai: Nach Dawson Creek 


Irgendwie war der Wecker verstellt, so daß wir schon um 1/2 7 Uhr geweckt wurden. So tranken wir gemütlich Kaffee und machten uns dann um 08:00 Uhr auf den Weg. 430 km warteten heute auf uns. Der Highway 40 führte uns durch ein endloses mit Nadelwald bewachsenem Hügelland. Die Sonne schaffte es nur langsam sich durch das dichte Grau der Wolken zu drängen. Kilometer um Kilometer ging es hügelauf, hügelab. Caribous sollte es hier geben. Wir sahen ein paar White-tail Deers, die aber sehr scheu waren und uns das Weiß ihres Schwanzes zeigten. Nach 110 km erreichten wir Grande Cache, einen Ort, der in keinem Reiseführer erwähnt wird, ein paar Holzhäuser, wie sie in Kanada üblich sind, eine Tankstelle.

Vor uns lagen 182 km nach Grande Prairie. Das Hügelland ging langsam in eine Ebene über, die Nadelbäume wichen den Laubbäumen, die ein erstes Grün zeigten, das die Landschaft freundlicher erscheinen ließ. Ein Schwarzbär ließ sich kurz am Straßenrand blicken, verschwand aber gleich wieder. Ca. 50 km vor Grande Prairie erste Anzeichen von Zivilisation. Farmen lagen am Wege, Felder wurden bearbeitet.
Grande Prairie, eine Stadt von 40.000 Einwohnern, zu der sich der Reiseführer nur zu dem Kommentar "muß man nicht gesehen haben" durchringen konnte, ist wirklich eine typische kanadische Stadt, oder besser ein großflächiges Dorf. Man ist froh, wenn man durch ist.

Irgendwie können sich die Provinzen nicht einigen, denn der Highway 43 in Alberta heißt ab Provinzgrenze British Columbia Highway 2 und um das zu unterstreichen, wechseln wir auch wieder in die Zeitzone von BC zurück, das heißt, die Uhren wurden wieder um eine Stunde zurückgestellt.

Endlich, nach 430 km, erreichten wir Dawson Creek. Hier beginnt der Alaska Highway, dem wir nun für 2.000 km folgen werden. Die Touristeninformation zeigte uns, was auf uns wartet: Dawson Creek 21°, Whitehorse 7°, Fairbanks 6°C.

Endlich nach zwei Tagen haben wir wieder ein Handynetz. Leider ist es Rogers Wireless. Gelingt es mir, da rein zu kommen?

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  Montag 16. Mai: Nach Fort Nelson 


Mein Computerservice zu Hause hat meine Probleme mit t-online diskutiert. Ergebnis: leichtes Schulterzucken, man kenne die Probleme aus Kanada, im Westen gebe nur einen Backbone, da sei nichts zu machen. Es bleibe eben Glücksache. Daß ich aber das Problem habe, daß ich nach Deutschland durchgestellt werde, aber der Server nicht antwortet, wollte man so recht nicht einsehen. Ich solle mal versuchen, mich nicht über Frankfurt, sondern über Berlin, München oder Nürnberg einzuwählen. Ich habe es probiert und es hat geholfen, jedenfalls sporadisch. Mit viel Mühe und dreimaligem Rauswurf habe ich bis gestern Alles reinbekommen. Aber dann lief nichts mehr, keine Kontrolle über das Internet, keine E-Mails. Ich war persona non grata.

In der Nacht noch hatte es leicht zu regnen begonnen und bis heute Morgen hatte es sich so richtig eingeregnet. Vor uns lagen die Kilometer 1 bis 350 des Alaska Highways. Wir waren gespannt. Geschichtsträchtiger Boden. Wir konnten die Landschaft nur ahnen, die Wolken hingen so tief, daß nie mehr als nur ein paar hundert Meter Sicht war. Wir hatten den Eindruck, durch Lappland zu fahren, nur war Alles viel weiter. Endlos zog sich die Straße, mal hingen die Wolken bis auf den Boden, dann war die Sicht nur wenige Meter weit, manchmal wurde es so hell, daß wir Hoffnung auf besseres Wetter hegten. In diesen Augenblicken genossen wir das weite hügelige Land. Birkenwälder lösten sich mit Nadelwäldern ab (was für Bäume das sind, muß ich erst noch zu Hause lernen). Wenig hohe alte Bäume. An einem Waldstück stand: "aufgeforstet 1982" und die Bäumchen waren man gerade sechs Meter hoch und hatten einen Durchmesser 10 cm. Was haben wir da nicht verstanden? Landwirtschaft gab es nicht, Unterwegs einige Ortschaften, die aus einer Tankstelle (sorry, gas is out, look next 50 km!) und einer Gaststätte bestanden. Ausnahmen: Taylor nach 55 km soll 1.100 Einwohner haben, aber davon ist nicht viel zu sehen. Nur das dominierende Kraftwerk schleudert unübersehbar seinen Qualm in die Luft. Nach 80 km dann die zweite Stadt: Fort St. John. Einst ein Pelzhandelsvorposten, boomte die Stadt in den 50er Jahren durch Erdöl- und Gasvorkommen, daß jetzt 15.000 Menschen hier wohnen. Sie macht einen tristen, uninteressanten Eindruck.

Ein paar Worte zur Architektur.
Häuser aus Stein sind West-Kanada selten, sieht man mal von Großstädten wie Vancouver und Victoria ab. Die Wände werden aus Rahmen gebaut, deren Verstrebungen aus Brettern von ca. 10x3 cm bestehen. Die werden einschließlich Dach mit Spanplatten belegt und dann "dekorativ" mit Brettern beschlagen oder mit Platten behängt, das Dach wird mit Blech belegt. Schön ist keines dieser Häuser und nordische Winter sind sicherlich nur mit niedrigen Energiekosten zu überstehen. Brandschutz ist nicht zu erkennen, selbst bei mehrstöckigen Häusern gibt es keine Feuertreppe. Meist werden 1-2 Familienhäuser gebaut, deshalb sehen Städte wie Fort St. John wie Dörfer aus, die allerdings unnormal breite Straßen haben. Wenn man Fahrspuren malen würde (die es nicht gibt), würden sicherlich 6 herauskommen.

Hinweisschilder warnten vor Elchen auf der Straße und tatsächlich sahen wir in "lichten" Augenblicken fünf Stück, von denen sich eine Elchkuh mit ihrem Kalb fotografieren ließ.
Caribous sahen wir nur auf Warnschildern und Wapitis nur von hinten. Von einer Postkarte habe ich gelernt, das "Wapiti" der indianische Name des kanadischen "elk" ist.

Das Wetter wurde nicht besser, es blieb dunkelgrau. Schade, sicherlich gab es viel zu sehen unterwegs. So aber waren wir froh, als wir in Fort Nelson den Campingplatz erreichten. Mit Donner und Blitz läutete das Wetter den Abend ein.

Kurz hinter Dawson Creek hat uns das Funknetz verlassen und bis jetzt sind wir nicht erreichbar. Ob das jetzt so bleibt?

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  Dienstag 17. Mai: Nach Liard River Hot Springs  


Das Roadbook versprach für heute "einen der attraktivsten Streckenabschnitte des Alaska Highways." Zum Glück hat es das nicht gestern versprochen, denn dann hätten wir nichts gesehen. Heute war es zwar dunkel, die Wolken hingen nicht sehr hoch, aber es regnete nicht! So stellt man sich Kanada vor, so kennt man es von Bildern und aus Filmen. Frühlingshaftes Grün der Birken zieht sich die Hänge bergauf, die hoch über der Baumgrenze in kahlen, im Gegensatz zu den Zentral-Rockies, runden Felskuppen auslaufen. Erreicht der Straßenverlauf eine Kuppe, sieht man endlos weit, doch verliert sich die Weite in den Wolken.
Wenige Meter Höhenunterschied bedeuten einen unterschiedlichen Vegetationsfortschritt. Waren wir eben noch im Frühling, sind wir im nächsten Augenblick wieder im Winter.
Was als Ortschaft mit Entfernungsangabe am Highway ausgewiesen wird, entpuppt sich als Tankstelle mit Lodge oder Restaurant oder Outfitladen. Z.B. die Tetsa River Lodge, an der wir eine Deutsche kennenlernten, die vor drei Monaten einen Kanadier geheiratet hat und nicht weiß, wann oder ob sie eingebürgert wird.
Im Stone Mountain Provincial Park erreichten wir am Summit Lake Pass mit 1295 m den höchsten Punkt des Highwayverlaufs in den Ausläufern der Rocky Mountains. Hier windet sich der Highway durch eine Kalksteinschlucht hinunter in den Muncho Lake Provincial Park und zum Muncho Lake. Der See weist eine intensive grüne Färbung auf, die auf Kupferoxiden beruht. Das Eis auf dem Wasser intensiviert die Farbe noch.

Ein Straßenschild warnte vor Wildpferden. Wir konnten das gar nicht glauben und waren sehr überrascht, als wir auf eine Herde trafen. Stolze Tiere, die uns nicht nahe herankommen ließen!

Und dann waren wir in Liard River Hot Springs auf einem Naturcampingplatz, der als Stellplatz weder Strom noch Entsorgung bot, aber ein anderes unschätzbares Erlebnis bot: Die Hot Springs. Mitten im Sumpfgelände sprudeln heiße Quellen in acht Pools. Zu zweien gelangt man über einen Holzsteg und kann sich dann in 40° bis 50°C heißem mineralreichem Wasser der naturbelassenen Becken aalen. Welch eine Wohltat in dieser herrlichen Umgebung!

Am Abend wurde gefeiert. Joachim hatte Geburtstag und zu gegrilltem Steak mit Bier und Wein geladen. Am Feuer im Bullerofen ließ sich die Kälte aushalten. Es wurde ein langer Abend!

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  Mittwoch 18. Mai: Nach Watson Lake  


Natürlich konnten wir heute nicht abfahren, ohne noch einmal in den heißen Pools zu baden! Da heute nur 220 km zu waren, taten wir das ausgiebig! Noch im Wasser fing es an zu regnen, was das Baden noch schöner machte, aber das Fahren nicht. Nach einer ausgiebigen Schotterstrecke, die mal wieder die Herdplatte aus den ausgeleierten Federn springen ließ, wurden wir alsbald mit zwei Bisons am Straßenrand belohnt, die sich in aller Ruhe bestaunen ließen. Was für mächtige Urtiere! Dazu paßte der gewaltige Liard River, der über die Ufer getreten war und in seiner reißenden Strömung ganze Bäume mitriß.

Vielleicht sollte ich die Tagesüberschriften ändern und sie nach den Tieren benennen, die wir unterwegs sehen. Bald nach den Bisons ließ uns ein Rotfuchs halten, der an der Berme nach Mäusen suchte. Ich hatte den Eindruck, daß er größer war und einen schöneren, buschigeren Schwanz hatte als unsere heimischen Füchse!

Noch einmal stoppten wir, um zwei Bisons zuzusehen, dann ging Gilas Wunsch in Erfüllung und ein Schwarzbär gab sich die Ehre. Wir hatten einen Logenplatz und eine ganze Stunde lang fotografierte Gila jede Bewegung des Bären. Immer wieder mußten wir uns vergegenwärtigen, daß der Bär frei und dies hier kein Zoo war. Unglaublich, man einfach so einem Bären begegnen. Wie gut, daß wir im Auto saßen!

Irgendwann erreichten wir Watson Lake. Mit 1.700 Einwohnern für hiesige Verhältnisse eigentlich eine Großstadt, von der aber nicht viel zu sehen ist. Eine breite Straße und viel Schrott und Gammel. Leider war die Attraktion, das Northern Light Center geschlossen, aber eine weitere Sehenswürdigkeit gab es, den Sign Post Forest. Hier sind ca. 50.000 Schilder aus aller Welt an Pfosten genagelt und zu einem Wald angewachsen. Hätte ich das vorher gewußt, hätte ich in einer Nacht- und Nebelaktion unser Brettorfer Dorfschild abgebaut!

Mittlerweile sind wir in den Yukon Territories angekommen. So ganz konnte sich der Highway nicht dazu entschließen, denn er kreuzte einige Mal die Provinzgrenze. Am Abend hatte der Regen aufgehört, es war kalt und auf dem Campingplatz lagen noch Schneereste. Aber es soll besser werden. Natürlich, denn wir sind ja unterwegs!

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  Donnerstag 19. Mai: Nach Whitehorse  


Wieder lag ein Mammuttag vor uns: 440 km sollten es nach Whitehorse werden. Das hinderte uns nicht daran, wie immer um 7:00 Uhr aufzustehen und gemütlich Kaffee zu trinken.
Es war noch immer kalt und feucht, als wir losfuhren, die Wolken drohten am Himmel. Unser Roadbook sprach "von einer langen einsamen Strecke, die kaum Gelegenheit zu sinnvollen Zwischenstops bietet." Das empfanden wir aber ganz anders. Die Strecke ist wirklich einsam, es gibt nur etliche Campgrounds, die aber noch geschlossen sind, nur Teslin macht einen etwas "größeren" Eindruck. Aber es ist wieder das Kanada, von dem man träumt. Zig Kilometer Wald, der irgendwo am Horizont an einer Bergkette endet, unterbrochen von einem Creek oder River, oder einem Lake, auf dem noch das Eis des Winters schwimmt. Das Wetter wird besser, blauer Himmel kommt durch und läßt die Berggipfel mit ihren weißen Puderhauben leuchten. An jeder Kurve können wir halten und träumen und manchmal heulen wir wie ein Wolf, der meint, die ganze Welt gehöre ihm. So empfinden wir auch. Es könnte endlos so weitergehen.

Der Highway ist nicht sehr befahren, doch schon jetzt sind deutlich mehr Camper unterwegs als LKWs. Diese Motorhomes haben typisch kanadische Dimensionen. Sattelauflieger mit Tandem- oder sogar drei Achsen liegen auf Pickups. Der PKW wird an einer Abschleppstange hinterhergezogen. Das Steuer ist festgestellt, so daß der PKW auf starren Achsen um die Kurven rubbelt. Slide Outs (ausfahrbare Verbreiterungen des Wohnbereichs) haben alle diese Riesenwohnwagen. Wie muß es erst im Juni/Juli auf dem Highway aussehen, wenn nicht nur alle Zeltplätze geöffnet haben, sondern auch die Overflowcamps aktiviert sind!

Schließlich, nach vielen Pausen, kamen wir in Whitehorse an. Hier ist der erste Teil unser Fahrt nach 3.971 km zu Ende. Morgen ist ein Puffertag, der notwendig ist, da uns das Schweizer Paar verläßt und nach Hause fliegt. Schön, daß wir den Anschluß, die Alaskafahrt, noch vor uns haben und wir nicht abfliegen müssen!

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  Freitag 20. Mai: Whitehorse  


Der Regen, der in der Nacht auf unser Pappdach trommelte, ließ uns nur noch besser und länger schlafen. Wir beeilten uns nicht, in die Stadt zu kommen. Großstädte sind nicht so unser Fall. Whitehorse ist 19.000 Einwohnern schon fast beängstigend groß. Wir hatten vergessen, daß in Kanada alles anders ist. Wieder kamen wir in ein überschaubares Städtchen, das für uns unproportioniert wirkt, da die Häuser nur maximal zwei Stockwerke haben, aber die Straßen eine Breite, die New York alle Ehre gemacht hätten. Bei manchen Häusern hat man versucht, die alte Westerntradition aufrecht zu erhalten. Ansprechende Läden laden zum Bummeln ein. Wahrzeichen der Stadt ist ein 1937 erbauter Raddampfer, die Klondike II.

Das Yukon Beringa Interpretive Centre zeigt auf anschauliche und spannende Weise das Werden, die Zeit und das Ende der beringischen Landbrücke zwischen Sibirien und Alaska mit den Auswirkungen auf Fauna und Flora.

Heute Abend findet unser Abschiedsessen statt, das wir vorziehen, um es gemeinsam mit denen zu genießen, die uns morgen, bzw. nächste Woche verlassen.

Solltet ihr diesen Bericht morgen im Netz vorfinden, so hat es geklappt, daß ich mit einem gekauften RJ11-Telefonkabel über das öffentliche Telefon ins Netz gekommen bin. Also Daumen drücken!

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