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Am Freitagabend stellte ich die Tischtennisplatte auf der Diele auf und
begann nach meiner immer wieder verbesserten "Klamottenpackliste" unsere
Sachen anzuhäufen. Der Berg wurde immer größer und schließlich war von
der Tischtennisplatte nichts mehr zu sehen. Packgefäße: Zwei für unsere
Verhältnisse recht große Koffer, zwei Rucksäcke, die mit an Bord sollten
und die Gitarre. Also los. Teil für Teil verschwand in den Koffern und
dank meines Packgenies wurde der zweite Koffer sogar nicht mal randvoll.
Fein, das bedeutet Platz für die Einkäufe.
Um 04:00 Uhr aufstehen, ein Kaffee in aller Gemütlichkeit mußte sein.
Dann das Verabschieden von Sammy, unserem jungen Hausgenossen: das dauerte
schon länger. Michael wird sich schon ausgiebig um ihn kümmern.
Endlich waren wir am Flughafen Bremen unser Gepäck los. Zum ersten Mal
mußte ich meine Gitarre als Sondergepäck an einem speziellen Schalter
abgeben. Ob sie da besser behandelt wird?
Flug Bremen - Frankfurt 06:15 - 07:15 Uhr Schon im Vorfeld hatte ich Schwierigkeiten
mit der Zeitumrechnung: Toronto -6 Stunden, Vancouver -9 Stunden. Um ein
Zeitgefühl für die Dauer des Fluges zu vermitteln, werde ich die Zeiten
in MESZ (Mitteleuropäischer Sommerzeit) angeben.
In Frankfurt hatten wir Zeit bis um 10:50, die wir hauptsächlich verschliefen.
Kurz vor Abflug lernten wir unsere Reisegenossen kennen. Von Schleswig-Holstein
über Berlin bis in die Schweiz geht das Spektrum: Es wird sicherlich interessante
Begegnungen geben!
Pünktlich hob der Airbus A340 der Canadian Airline ab. Meine Befürchtungen,
daß der Flieger so eng wie beim Charterflieger seien, bewahrheitete sich
nicht. Die Zeit verging mit Essen und Schlafen und nach 7 Stunden landeten
wir um 17:30 Uhr (13:30 Ortszeit = -4 Stunden) in Toronto.
Hier mußten wir mit unseren Koffern durch den Zoll und ich mußte sogar
meine Stiefel ausziehen und durch das Röntgengerät laufen lassen. Dadurch
wurde die Zeit zu dem Anschlußflug nach Vancouver knapp und wir kamen
gerade zum Aufruf zurecht. Um 19:00 Uhr hoben wir nach Vancouver
ab. Der Airbus A220 war sehr bequem, der Service der Canadian Airline
gut. Um 02:00 Uhr landeten wir (Ortszeit 17:00 Uhr). Der Reiseleiter vergaß
gleich zwei Leute am Flughafen, die per Taxi noch vor uns am Hotel waren.
Nach 20 Stunden Flug konnten wir nur noch in die Betten sinken, der angekündigte
Jetlag kümmerte uns nicht, wir schliefen durch bis zum anderen Morgen.
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Wir waren gespannt auf die Stadt, schwärmen doch Alle, die mal dort waren,
von ihr. Um unser Hotel herum ist jedenfalls nichts schwärmerisches, nur
häßliche Glasstürme zum Wohnen. Der Busfahrer, der vor 50 Jahren aus Deutschland
eingewandert ist, erzählte uns, daß die Grundstücke in Vancouver sehr
teuer sind, was die Minigrundstücke mit den Minihäusern darauf erklärt,
die wir auf der Fahrt zur Capilano Suspension Bridge sahen. Der Abstand
der Häuser beträgt nicht einmal zwei Meter.
Die Capilano Suspension Bridge ist eine 140m lange Hängebrücke
über einen 70m tiefen Canyon. Auf beiden Seiten ist ein schöner Park in
den Wald integriert worden.
Die weitere Rundfahrt führte uns durch den Stanley Park, einen
wirklich herrlichen Stadtpark. Hier kann neben den letzten Urwalddouglasien
auch wunderschöne Original-Totempfähle sehen.
Eine Seilbahn brachte uns auf den 1100m hohen Grouse Mountain,
von dem man einen wunderschönen Blick über Vancouver hat. Leider war es
für Fotos ein wenig zu diesig, doch die Sonne entschädigte uns dafür
ein wenig.
Eine Fahrt durch Chinatown rundete die Rundfahrt ab. Diese chinesische
Siedlung ist nach San Francisco die größte in Nordamerika.
Erwähnenswert ist die Steam Clock, die einzige mit Dampf betriebene
Uhr der Welt, die alle viertel Stunde aus fünf Dampfpfeifen die Zeit pfeift.
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Heute Morgen war
es endlich soweit: Wir übernahmen unsere Wohnmobile.
Der Bus brachte uns zu Fraserways, dem Vercharterer. Der Papierkram mußte
erst noch erledigt werden. Es mußten 687 Ca$ für eine Zusatzversicherung
bezahlt werden, die die Unfallselbstbeteiligung auf 500 Ca$ begrenzte.
Campingstühle waren an Bord, für einen Campingtisch waren 20 Ca$, für
eine zusätzliche Decke 7 Ca$ zu löhnen.
Sehr gründlich wurde das Auto abgenommen, jede Kleinigkeit vermerkt. Wir
haben ein 22´ Alkovenfahrzeug, die Basis ist ein Achtzylinder Ford. Die
Maschine röhrt wie ein Schnellboot der Marine, frißt auch dementsprechend
Benzin, es sollen ca. 24 l/100km sein. Der Wagen hat Automatikgetriebe,
Tempomat und Klimaanlage. Das Geschoß ist 3 m breit, das ist hier
üblich! Die Koffer wurden nur hineingestellt, dann ging es los. Damit
wir nicht zu euphorisch wurden, regnete es.
Den Fraser River ging es flußabwärts nach Tsawwassen, wo
wir die Fähre nach Victoria Island nahmen. Der Regen ließ
es nicht zu, daß wir die Fahrt durch die Inselwelt an Deck genießen
konnten. Die Seehunde, die sich durch das Schiff nicht stören ließen,
dachten offensichtlich anders. Zielort der heutigen 70 km langen Etappe
war Victoria, die Provinzhauptstadt von British Columbia. Ehrlicherweise
muß ich sagen, daß die Etappe für den ersten Tag lang
genug war. Noch war ich viel zu sehr damit beschäftigt, das Auto
kennenzulernen, wie die Bremsen reagieren, wie auf Wind, Gaspedal, Lenkbewegungen,
als auf die Umgebung zu achten. Und dann war da noch der Einkauf. Die
Grundausstattung des Womos war zu besorgen. Aber auch da bot das Roadbook
von Seabridge-Tours gute Hilfe und empfahl ein Einkaufszentrum am Wege.
Ein riesiger Supermarkt erwartete uns. Der war so gut bestückt, daß
das Einkaufen nach drei Artikeln keinen Spaß mehr machte. Es gab
nicht eine Sorte Vollmilch, sondern vier, nicht drei Sorten Naturyoghurt,
sondern sechs. Usw. Völlig erschlagen erreichten wir die Kasse. Dort
brauchten wir den Einkauf nur noch auf das Band zu legen, weiter transportieren
und in Tüten wieder in Einkaufswagen verfrachten, dafür sorgten
freundliche Hilfen. Daß das Ganze dann 250 Ca$ (= 162 €) kostete,
wunderte uns dann nicht mehr. Canada ist teuer. Das macht schon jeder
Reiseführer deutlich. Ich werde später wieder darauf zurückkommen.
Schließlich erreichten wir unseren Campground in der Westbay Marine
Village. Für mich ein guter Platz, haben wir doch eine schöne
Sicht auf die Marina. Zum Abend war die Sonne doch wieder herausgekommen
und über die Bucht erstrahlte die Altsstadt Victorias in abendlichem
Glanz.
Ein Bier in froher Runde beendete diesen Tag.
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Auf dem Plan stand heute die Eroberung Victorias. Das Wetter zeigte
sich von seiner besten Seite, so daß wir am Abend einen kleinen
Sonnenbrand hatten.
Die Harbourferries sind lustige, kleine, überdachte, kibbbelige Boote,
die uns vom RV-Place (=recreation place for vehicles; das muß man
erst mal wissen!) in die Stadt brachten. Der Käpt´n erzählt
unterwegs Döntjes über Land und Leute, so vergeht die Fahrt
schnell.
Victoria ist die Hauptstadt von British Columbia (BC) und wenn
ihr wirtschaftlich auch Vancouver längst den Rang abgelaufen hat,
so hat sich ihren altenglischen Charme erhalten. Nach einem Rundgang durch
Downtown ist es ein schöner Abschluß, in einem der kleinen
Straßencafés in der Sonne zu sitzen und mit Blick über
den Hafen den Afternoon Tea englischer als die Engländer zu zelebrieren
oder doch lieber ein Guiness oder wenn man schon in Canada ist, ein canadisches
Dark Ale zu trinken.
Am Abend lud Seabridge zum Welcome Dinner. Im Restaurant des Campingplatzes
wurde Lachs mit Brie überbacken und Kapern auf Basmatireis und gebackener
Süßkartoffel gereicht. Ein Gedicht! Ein Riesensalat als Vorspeise
und heißer Apfelkuchen mit Vanilleeis rundeten das Mahl ab.
Nach einem Dark Ale als Nach-Nachtisch schlief es sich wunderbar.
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Mit 320 km stand uns eine lange Etappe bevor: Es ging den Trans Canada
Highway No.1 (TCH) nach Norden.
In Duncan bot sich ein erster Halt. Duncan nennt sich "City
of Totems" und versucht, mit mehr oder weiniger gelungenen Totempfählen
die Touristen anzulocken.
Das ist Chemainus schon wesentlich besser gelungen. Schon vor vielen
Jahren begann man, freie Fassadenflächen mit Bildern zu bemalen.
Heute schmücken mehr als dreißig dieser "Murals"
dies ohnehin schmucke Städtchen und laden zum Rundgang ein.
In Nanaimo verließen wir TCH und folgten dem Highway No. 4 zum Pacific
Rim Nationalpark nach Ucluelet. Das Wetter hatte uns im Stich
gelassen und es nieselte ohne Unterlaß. Unterbrechungen gab es nur
durch Regengüsse. Trotzdem mußte ein Stop am MacMillan Provincial
Park eingelegt werden. Bis zu 800 Jahre alte und 75 m hohe Douglastannen
lehrten uns das Staunen.
Über die Berge der Mackenzie Range, durch dichten Nadelwald, kurvenreichen
Strecken entlang am Kennedy River ging es 100 km nach Ucluelet.
Ein wunderschöne Strecke, wenn das Wetter besser gewesen wäre!
Auf dem Ucluelet Campground fanden wir einen Platz mit Blick auf den Small
Boat Harbour und das nostalgische Restaurantschiff Canadian Princess.
Ein gemütlicher Abschluß bei kleinen Leckereien und Bier ließen
uns das feuchte Wetter vergessen und hoffen, daß morgen bei der
Erkundung des Pacific Rim Nationalparks wieder die Sonne scheint.
Eine Bemerkung noch zum Funknetz. Bis jetzt gab es keine Schwierigkeiten,
der Einzugsbereich Vancouvers ist groß. Doch schon hier wird das
Funknetz dünn. Mal sehen, wie lange es noch vorhanden ist! Bisher
war der Netzbetreiber Fido, jetzt haben wir Rogers Wireless und alle Versuche
gegen 21:00 Ortszeit (6:00 MESZ) scheiterten: Server besetzt, Verbindung
beendet usw.
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Auch heute morgen keine Verbindung. Es liegt nicht am Netz. Das steht. Telefonieren klappt
hervorragend. Der Netzbetreiber scheint keine Daten zu übertragen.
Das Wetter war zum Eier ausbrüten! Kanada hat für mich etwas
mit "da oben " zu tun und immer wieder muß ich mir sagen,
daß ich hier auf der Höhe von Mailand bin!
Der Pacific Rim Nationalpark wollte heute erkundet werden. Ich
war gespannt. Der Reiseführer ist nicht sehr ausführlich. Hier
sind die schönsten und wildesten Abschnitte der West Coast unter
Schutz gestellt. Uralter Regenwald, zerklüftete Felsen und von Treibholz
übersäte Strände. Zahlreiche Trails laden zum Wandern ein.
Ich habe versucht zu erkennen, was ein nichttropischer Regenwald ist,
es ist mir nicht gelungen. Das Unterholz ist so dicht, daß man kaum
hindurchkommt. Ist das ein Merkmal?
Schließlich landeten wir an der Long Beach, von der gesagt
wird, daß sie zu dem Schönsten gehört, was British Columbia
zu bieten hat. 11 km lang und teils mehrere hundert Meter breit lädt
der Strand zum Spazierengehen ein. Er ist übersät mit Treibholz,
aber nicht von der Größe, wie es kennen, sondern Baumstämme
teils mit Wurzeln, teils 1,50 m Durchmesser, teils 20 m lang. Gerade,
gebogen, alles vom Meer glattgeschliffen, liegt es am Strand zu skurilen
Figuren aufgetürmt. Die Wellen des Pacific branden in schöner
Gleichmäßigkeit an den Strand und fordern die Surfer heraus.
Ruhige Stunden erwarten uns hier.
Am Abend kommen wir vollgetankt mit Sonne zum Campingplatz nach Ucluelet
zurück, wo uns ein Lagerfeuer und ein Grill erwarten. Bei gemeinsamem
Schmausen klingt der Tag aus.
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Wir erlaubten uns,
heute keinen Wecker zu stellen und wachten trotzdem um 1/2 8 Uhr auf.
Vor uns lagen nur 190 km nach Nanaimo zur Fähre, die uns nach
Vancouver zurückbringen sollte. Der anfangs graue Himmel wurde immer
blauer, so daß wir am MacMillan Provincial Park noch einmal
einen Stop einlegten, um die alten Baumriesen länger in uns aufzunehmen.
Nach Nanaimo war es dann nicht mehr weit und die Abfahrt der Fähre ließ
nicht mehr lange auf sich warten. Anders als auf der Fährfahrt nach
Victoria zog der Sommer alle Register und ließ die 90 Minuten wie
im Fluge vergehen. In Vancouver-Nord angekommen, gönnten wir uns
die Fahrt an der Küste entlang, dem Marina Drive zum Campingplatz
an der Lions Gate Bridge. Bei dem Sonnenschein meinte man, eine Küstenpromenade
in Spanien entlang zu fahren.
Den Nachmittag wollten wir nicht noch einmal nach Vancouver hinein, so
schön ist die Stadt nun auch wieder nicht. Sommerfrische auf dem
Campground war angesagt.
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Hoffentlich wechselt bald der Netzbetreiber! Er fragt zwar mit penetranter
Ausdauer, ob wir die Zeitzone wechseln wollen, aber ins Internet läßt
er uns nicht und damit kann ich diese Seiten nicht updaten. Das Telefon
funktioniert bestens, mitten in der Nacht werden wir von irgendwelchen
Leuten geweckt, die uns etwas verkaufen wollen.
Wieder einmal mußten wir tanken. Der Liter unleaded regular (Einfach
bleifrei) kostet ca. 99 CanCent (~ 75 EuroCent) und es stimmt, der Wagen
verbraucht gut 23 Liter! Auch Einkaufen war wieder angesagt und die Preise
schockierten uns nicht mehr ganz so. Bier, Wein und sonstigen Alkohol
bekommt man nur in lizensierten "Liqour Stores". Da kostet
eine Dose Bier schnell 2 Can$, während ein alkoholfreies Bier im
Supermarkt 75 CanCent kostet.
Da unser Übernachtungsplatz direkt am THC 1 lag, war das Verlassen
von Vancouver kein Problem. Es war nur sehr langweilig, da hier
der Highway zur Autobahn ausgebaut war. Also verließen wir ihn in
Abbotsville, um auf die andere Seite des Fraser Rivers auf den
Highway 7 zu kommen. Die Durchfahrt durch Abbotsville war nicht einfach,
zu viele Erklärungen waren konträr. Nach einer kleinen "Stadtbesichtigung"
fanden wir unseren Weg und waren froh, denn der Weg führte uns durch
die Ebene des Fraser Rivers, eine Farmlandschaft, die wir interessiert
betrachteten. Auch hier viel uns auf, was auch in anderen Landschaften,
in den Bergen, besiedelten Tälern, in der Prärie immer in´s
Auge stach: Es gab viele vergammelte Häuser; Unrat und Schrott war
auf den Grundstücken angehäuft. Aber auch schöne und große
Farmhäuser, gepflegte parkähnliche Anlagen. Die Berghänge
stiegen sanft an, es sah ein wenig schwedisch aus, nur alles etwas großzügiger.
Schließlich erreichten wir Harrison Hot Springs, einen kleinen
Badeort, der seine bescheidene Bedeutung einer heißen schwefelhaltigen
Quelle verdankt. Ein traumhaftes Bergpanorama wie aus einem Kitschroman
- in dem See spiegeln sich satte grüne Hänge, über denen
Schneekuppen blinken - tut das Seine, um Besucher anzulocken. Mittlerweile
recht ungewohnt klang es, als uns der deutsche Campingplatzbesitzer einwies.
Der Abend klang aus bei einem gemeinsamen Essen im Black Forrest, das
einem Schwarzwaldhaus bis zur Musik nachempfunden war. Sogar die deutsche
Bedienung fehlte nicht. Wir konnten uns nicht zu Hackse mit "Sourkraut"
versteigen, wir ließen uns statt dessen einen Wildlachs auf Reis
munden.
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Weiter führt
uns der Trans Canada Highway No. 1. dieses Mal 260 km nach Norden.
Einen ersten Stop legten wir bei Hope ein, um die Othello Quintette
Tunnels zu besichtigen. Hier führt ein kleiner Trail durch vier
ehemalige Eisenbahntunnel. Doch diese waren auf Grund falling rocks gesperrt.
Es blieb uns der Ausblick auf den Coquihalla Canyon und seine brütenden
Wildgänse. Ein lohnender Spaziergang.
Der TCH 1 folgt weiter dem Fraser River und es bieten sich herrliche
Ausblicke auf den Canyon. Ein Stop am Hells Gate Canyon ist unbedingt
erforderlich. Hier verengt sich der Faser Canyon bis auf 34 m Breite.
Im Frühjahr schießen hier 15 Mio. Liter Wasser pro Sekunde
durch die Enge und erschweren den Lachsen den Aufstieg. Eine Lachstreppe
erleichtert den bis zu 350.000 Lachsen den Weg in ihre Laichgründe.
Mit einer Seilbahn kann man den 153 m tiefen Abstieg zum Ufer leicht überwinden,
einen Fußweg gibt es auch.
Unser heutiges Ziel liegt 11 km nördlich von Cache Creek, das einen
etwas vergessenen Eindruck macht, auf der Historischen Hat Creek Ranch.
Hier ist auf einem letzten für die Öffentlichkeit zugänglichen
Teilstück der 1862 bis 1865 angelegten Cariboo Waggon Road
die wichtigsten Gebäude einer Raststätte für Postkutschen
und Frachtwagen aus dem Jahr 1860 erhalten geblieben. Die zugehörige
Ranch vermittelt einen guten Eindruck der damaligen Zeit.
Auf dem Gelände der Ranch ist auch ein Native Interpretation Center
der First Nation, wie sich die Indianer selbst bezeichnen, vom Stamme
Shuswap zu besichtigen. Beispielhaft sind hier die verschiedenen Hütten,
Gebrauchsgegenstände und Spiel zu sehen. Eine Nachfahrin der Shuswap
steht für Fragen bereit.
Der Campground liegt gleich neben dem Empfangsgebäude in der freien
Prairie. Das warme Wetter lockte uns, bei einem Lagerfeuer mit gegrilltem
Fleisch und Liedern zur Gitarre dieses weite geschichtsträchtige
Tal in uns einwirken zu lassen. Es wurde eine lange Nacht.
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Von Cache Creek ging es nach Osten, wieder auf dem TCH 1. Der Highway
führt die 320 km nach Revelstoke an einer Perlenkette von
Seen vorbei. Auf unserer Karte (1:1.350.000) sind meisten nicht eingezeichnet,
obwohl sie nach unseren Maßstäben riesig groß sind. Bilder
wie aus einem Postkartenkalender boten sich uns und luden zur Rast. Wir
hatten das Gefühl in einem Norwegen aus der Sicht von Liliputanern
zu sein, so weitläufig war alles. Oft hielten wir an, wir konnten
uns nicht satt sehen. Immer öfter lugten vor uns schneebedeckte Gipfel
über die Berge. Ein geruhsames Fahren, das auch andere Autos nicht
störten. Auch wenn wir nicht die erlaubte Höchstgeschwindigkeit
fuhren, gab es keine Drängler, selten überfuhr einer die durchgezogene
Mittellinie. Die Fahrer sind im Gegensatz zu Deutschland sehr diszipliniert.
Plötzlich sprang von der Böschung ein Wolf auf die Straße.
Ein schönes Tier, groß und grau, mit einem stolzen buschigen
Schwanz. Stand einen Augenblick da wie ein Standbild und verschwand wieder.
Am hellichten Tage!
Einen Gedenkhalt legten wir in Craigellachie ein. Hier wurde 1885
der letzte Nagel in die Schwellen der transkontinentalen Eisenbahn eingeschlagen.
Heute unspektakulär, aber eine Pioniertat, die des Gedenkens wert
ist.
4 km südöstlich von Revelstoke, am Williamson´s
Lake liegt unser Campground. Endlich Zeit, das Tagebuch weiterzuführen.
Und immer noch keine Internetverbindung. Der Wind weht kalt, es verspricht,
eine kalte Nacht zu werden.
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Was
sagt unser Roadbook von Saebridge? "Wir fahren auf dem landschaftlich
attraktivsten Abschnitt des TCH in die fantastische Bergwelt der Rocky
Mountains." Ich weiß ja nicht, was uns noch erwartet, aber
da wir den Trans Canada Highway in Banff verlassen, hat
es wohl recht.
Noch in Revelstoke kamen wir in den Mt. Revelstoke National Park
und Canada wurde so, wie man es sich erträumt, oder in Filmen gesehen
hat: Dunkle Nadelwälder stiegen auf beiden Talseiten steil an, die
Gipfel waren alle weiß. Der TCH schlängelt auf halber Talhöhe
über der Eisenbahntrasse das Tal entlang. Hier hat die Eisenbahn
noch eine große Bedeutung. Es fährt ein Güterzug nach
dem andern, es sind nur wenige Kilometer Abstand und die Züge sind
endlos lang. Wir haben schon über 125 Waggons pro Zug gezählt!
Der Highway windet sich langsam bergauf, wir kommen in Glacier National
Park. Je höher der TCH ansteigt, desto tiefer kommt der Schnee.
Bald begleitet er unseren Weg. Tunnel machen sie Straße sicherer,
vor Lawinen wird gewarnt. Am Rogers Pass sind wir 1335 m hoch.
Schneegekrönte Felszacken säumen den Pass, die Sonne wärmt
Alles. Neben dem Information Center macht ein Columbian Ground Squirrel
(Erdhörnchen) die Honneurs und läßt sich durch uns nicht
stören. Ist es von der Parkverwaltung angestellt? Alle Stichstraßen
in Seitentäler sind noch gesperrt. Vor Ende Juni läuft da nichts.
Beim Verlassen des Glacier National Parks werden wir darauf aufmerksam
gemacht, daß wir in eine neue Zeitzone kommen und, da wir nach Osten
gefahren sind, die Uhren eine Stunde vorstellen müssen. Nun haben
nur noch 8 Stunden Unterschied zur MESZ.
Die Rockies kommen immer näher. Die Felszacken werden immer höher
und wilder. Wie alle Stichstraßen ist auch die zu den Takkakkaw
Falls noch gesperrt. So konnten wir uns die zweitgrößten
Wasserfälle Kanadas nicht ansehen.
Eine technische Sehenswürdigkeit ließen wir uns nicht entgehen:
Den Lower Spiral Tunnel. Um die 1907 zu steile 4,5% Steigung auf
fahrbare 2,2% zu bringen, bauten Ingenieure nach Schweizer Vorbild eine
Kehre mit anschließendem Tunnel, der mit einem Bogen von 226°
unter sich hindurch führt. Die Gleisführung sieht aus wie ein
spiegelverkehrtes "&". Wenn ein Zug lang genug ist, sieht
man ihn dreimal.
Weiter geht es zum Banff National Park und damit den Rocky Mountains entgegen.
Oft halten wir einfach am Highway, die Aussichten sind einfach zu gewaltig.
Mit der Einfahrt in den Banff National Park verlassen wir British
Columbia und fahren nach Alberta ein. Es ist kalt geworden. Das
liegt nicht nur daran, daß die Sonne hinter Wolken verschwunden
ist, der Schnee wirkt wie ein Kühlschrank. Am Eingang zum Campground
sahen wir das erste Caribu, auf dem Waldampingplatz dann weitere. Ein
schöner Platz, mitten im Naturpark mit Blick auf die Rockies. Da
mußte ein Festessen her: Steak mit Gemüse und Bier, zum Nachtisch
Erdbeeren.
Schon kurz hinter Revelstoke hatten wir kein Telefonnetz mehr und, oh
Wunder, hier in Banff ist der Betreiber von Vancouver, Fido, wieder da.
Das läßt hoffen, daß auch das Internet wieder funktioniert!
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Diese
Nacht war es kalt. Ich merkte es, wenn in der Nacht ein Fuß aus
dem Bett hing und die Kälte mich weckte. Heute Morgen entdeckte ich
einen 30 cm hohen Eiszapfen neben meinem Auto, wo der Wasserschlauch tropfte.
Es dauerte dann auch eine Zeit, bis er soweit aufgetaut war, daß
ich ihn verstauen konnte.
Unser Roadbook schlug uns für heute einen ausgiebigen Bummel durch Banff
vor. Doch schon die Durchfahrt hatte uns gereicht. St. Moritz in den Rockies.
Nicht unser Fall. Statt dessen folgten wir dem Rat, mit der Seilbahn auf
den Sulphur Mountain zu fahren. Das Wetter war wie dafür bestellt:
strahlend blauer Himmel, kein Wölkchen trübte die Fernsicht.
Der Prospekt lockte: "See more mountains in a moment than most see
in a lifetime!" Ein Schweizer kann sicher darüber lächeln,
wir Flachlandtiroler aber waren beeindruckt. Weißgepuderte Felszacken
rund um das ausgedehnte Tal von Banff. Das Panorama der Rocky Mountains
zum Träumen!
Gleich neben der Talstation liegen die Banff Upper Hot Springs,
in denen seit dem Bau der Eisenbahn 1884 gebadet wird. In dem 40°
heißen Thermalpool waren wir sofort in die Hot Pots in Islands versetzt.
Wir wurden wohlig durchwärmt, lagen faul im Wasser und träumten
in das Panorama des gegenüberliegenden Gipfels, dessen weiße
Haube im stahlblauen Himmel strahlte. Ein schöner Abschluß
des heutigen Tages - nicht ganz, es wartet noch in der Gruppe ein Glühwein
auf uns.
Trotz Fido klappt das Netz nicht. Ich habe meinen Computerservice zuhause
angerufen, der wird nun bei Vodafone oder Telekom versuchen herauszubekommen,
was zu tun ist. Kein Telefonnetz ist ja schon frustrierend genug, aber
Telefon und kein Internet ...
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Die heutige Strecke von 70 km war dem Wetter angemessen. Strahlender Sonnenschein
ohne Wolken - da wollten wir nicht viel fahren.
Die letzten Meter auf dem Trans Canadian Highway No. 1. Es wäre bestimmt
interessant, ihm nach Westen zu folgen! Wir aber folgten dem Highway 1a
nach Norden durch den Banff National Park. Diese Strecke bis Lake Louise
verläuft parallel zum TCH No. 1, den wir auf der Herfahrt bei bedecktem
Wetter gefahren sind. Jetzt, bei Sonnenschein, nach Norden, auf der kleineren
Straße ist es ein ganz anderes Erlebnis. Die Berge sehen grandioser
aus. Eine Aktivpause legten wir am Johnston Canyon ein, dem wir bis zu
den Lower Falls folgten. Wir fühlten uns an Sonnleitners "Höhlenkinder
im heimlichen Grund" erinnert. Die Wände hingen oft über,
der Steig über dem Wasser an die Wand geklebt. Schnee lag in den
Spalten. Es war kühl.
Danach hatten wir uns eine lange Sonnenpause verdient.
Lange haben wir uns in der Gruppe über den Unterschied von Elk, Wapiti,
Caribou, Moose unterhalten. Endlich habe ich mir in der Buchhandlung angeschaut:
Also, was ich am 10. Mai auf dem Wege nach Banff gesehen und fotografiert
habe, ist kein Caribu, sondern ein Elk oder Wapiti, das ist nämlich
das Gleiche! Ein Elk ist unserem Hirsch ähnlich, das Geweih ist mehr
nach hinten geneigt. Ein Caribou ist ein Rentier und ein Moose ist ein
Elch. Verwirrend, aber doch ganz logisch, oder? Dann gibt es ein White
Tail Deer, unserem Rehwild ähnlich. Markenzeichen ist der auf der
Unterseite weiße Schwanz, der bei der Flucht hochgestellt wird und
weithin leuchtet.
Wieder sahen wir Wapitis, die in aller Ruhe an der Straße weideten.
Sie ließen sich auch nicht stören, als die Straße von
haltenden Autos blockiert war. Die Tiere wissen, daß sie im Nationalpark
geschützt sind.
Lake Luise. Der See war noch gefroren, Scharen von Bustouristen wurden
an die Promenade gekarrt. Hinter uns das riesige Hotel. Wir lieben mehr
die Einsamkeit.
Der Campingplatz lag sehr schön im Wald und bot Strom und Wasser. Wieder
ließ eine gemeinsames Grillen den Abend gemütlich ausklingen.
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Unser Roadbook versprach uns heute "die womöglich großartigste
alpine Panoramastraße der Welt"! Der Highway 93, der
Icefields Parkway, führt mitten durch den Banff National Park
der Rocky Mountains. Das heißt, wir fuhren im Tal des Bow River
nach Norden, flankiert von 3.000ern, die im strahlenden Blau ihre weißen
Kappen stolz aufragen ließen. An jeder Ecke hielten wir an und konnten
uns doch nicht satt sehen.
Plötzlich wieder ein Stau. Das konnte nur Wildlife bedeuten. Das durfte
nicht war sein: Da äst seelenruhig ein Schwarzbär am Straßenrand.
Das Fell glänzte schwarz schwarzmetallic in der Sonne. Nicht tapsig,
sondern geschmeidig bewegte er vor uns hin und her bis ihm die Staunerei
zu viel wurde und er im Wald verschwand. Die Kulisse der Rocky Mountains
paßte gut zu ihm.
Nahtlos ging der Banff N.P. in den Jasper National Park über und
der Highway schraubte sich langsam bis auf 2.000 m hoch. Am Columbia
Icefield gab es die Möglichkeit, den Athabasca Gletscher
aus der Nähe zu sehen. Man konnte auch mit einem Eismobil auf das
Eis fahren, was wir aber unterließen, so aufregend war er nicht.
Sehenswerter waren da schon die Athabasca Fälle kurz vor Jasper,
die Photolen (runde Löcher) in den Fels geschmirgelt hatten.
Nach 240 km ununterbrochener Eindrücke und sonnenverbrannt kamen wir rechtschaffen
müde in Jasper an.
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Es ist schwer, nach zwei Tagen noch die richtigen Worte zu finden. Man
sollte immer sofort schreiben, aber manchmal kommt eben etwas dazwischen,
wenn es auch nur ein Bier ist.
Wer die Tagesetappen aufmerksam vergleicht, dem wird auffallen, daß
diese Etappe nicht über Prince George nach Dawson Creek führt.
Diese Strecke hier ist 280 km kürzer.
Es ging den Highway 16, den Yellowhead Highway nach Norden. Wir
hatten das Glück, ein Rudel Bighornschafe zu treffen und portraitieren
zu können. Kurz vor Ende des National Parks bogen wir rechts ab und
es ging hoch nach Miette Hot Springs. Diese heißen Quellen liegen
einsam in den Bergen und außer dem Bad gibt es da nichts. Wir ließen
es uns gut gehen und aalten uns im 40°C heißen Wasser. Auf der
Rückfahrt zu zum Highway trafen wir wider auf, tja was war es denn?
Es hatte einen Schwanz, aber der war ganz weiß, also kein White
Tail Deer, aber ein Wapiti war es auch nicht, denn die haben keine Schwänze.
Also ich weiß es nicht.
Dann hieß es Abschied nehmen von den Rocky Mountains, bei Hinton
waren wir schon aus den Bergen heraus, es blieb nur ein wehmütiger
Blick in den Rückspiegel. Auf einem Campground im William A. Switzer
Provinzial Park fanden wir einen Platz für die Nacht. Jeder Platz
hat einen Feuerstelle und gehacktes Holz für Jedermann ist vorhanden.
Immer noch gibt es hier kein Netz.
Da morgen die Kilometer-Knüppelei anfängt, sollten wir eigentlich früh
schlafen gehen, doch am Lagerfeuer war es so gemütlich,daß
daraus nichts wurde.
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Irgendwie war der Wecker verstellt, so daß wir schon um 1/2 7 Uhr
geweckt wurden. So tranken wir gemütlich Kaffee und machten uns dann
um 08:00 Uhr auf den Weg. 430 km warteten heute auf uns. Der Highway 40
führte uns durch ein endloses mit Nadelwald bewachsenem Hügelland.
Die Sonne schaffte es nur langsam sich durch das dichte Grau der Wolken
zu drängen. Kilometer um Kilometer ging es hügelauf, hügelab.
Caribous sollte es hier geben. Wir sahen ein paar White-tail Deers,
die aber sehr scheu waren und uns das Weiß ihres Schwanzes zeigten.
Nach 110 km erreichten wir Grande Cache, einen Ort, der in keinem
Reiseführer erwähnt wird, ein paar Holzhäuser, wie sie
in Kanada üblich sind, eine Tankstelle.
Vor uns lagen 182 km nach Grande Prairie. Das Hügelland ging
langsam in eine Ebene über, die Nadelbäume wichen den Laubbäumen,
die ein erstes Grün zeigten, das die Landschaft freundlicher erscheinen
ließ. Ein Schwarzbär ließ sich kurz am Straßenrand
blicken, verschwand aber gleich wieder. Ca. 50 km vor Grande Prairie erste
Anzeichen von Zivilisation. Farmen lagen am Wege, Felder wurden bearbeitet.
Grande Prairie, eine Stadt von 40.000 Einwohnern, zu der sich der
Reiseführer nur zu dem Kommentar "muß man nicht gesehen
haben" durchringen konnte, ist wirklich eine typische kanadische
Stadt, oder besser ein großflächiges Dorf. Man ist froh, wenn
man durch ist.
Irgendwie können sich die Provinzen nicht einigen, denn der Highway 43
in Alberta heißt ab Provinzgrenze British Columbia Highway 2 und um das
zu unterstreichen, wechseln wir auch wieder in die Zeitzone von BC zurück,
das heißt, die Uhren wurden wieder um eine Stunde zurückgestellt.
Endlich, nach 430 km, erreichten wir Dawson Creek. Hier beginnt
der Alaska Highway, dem wir nun für 2.000 km folgen werden. Die Touristeninformation
zeigte uns, was auf uns wartet: Dawson Creek 21°, Whitehorse 7°,
Fairbanks 6°C.
Endlich nach zwei Tagen haben wir wieder ein Handynetz. Leider ist es
Rogers Wireless. Gelingt es mir, da rein zu kommen?
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Mein Computerservice zu Hause hat meine Probleme mit t-online diskutiert.
Ergebnis: leichtes Schulterzucken, man kenne die Probleme aus Kanada,
im Westen gebe nur einen Backbone, da sei nichts zu machen. Es bleibe
eben Glücksache. Daß ich aber das Problem habe, daß ich
nach Deutschland durchgestellt werde, aber der Server nicht antwortet,
wollte man so recht nicht einsehen. Ich solle mal versuchen, mich nicht
über Frankfurt, sondern über Berlin, München oder Nürnberg
einzuwählen. Ich habe es probiert und es hat geholfen, jedenfalls
sporadisch. Mit viel Mühe und dreimaligem Rauswurf habe ich bis gestern
Alles reinbekommen. Aber dann lief nichts mehr, keine Kontrolle über
das Internet, keine E-Mails. Ich war persona non grata.
In der Nacht noch hatte es leicht zu regnen begonnen und bis heute Morgen
hatte es sich so richtig eingeregnet. Vor uns lagen die Kilometer 1 bis
350 des Alaska Highways. Wir waren gespannt. Geschichtsträchtiger
Boden. Wir konnten die Landschaft nur ahnen, die Wolken hingen so tief,
daß nie mehr als nur ein paar hundert Meter Sicht war. Wir hatten
den Eindruck, durch Lappland zu fahren, nur war Alles viel weiter. Endlos
zog sich die Straße, mal hingen die Wolken bis auf den Boden, dann
war die Sicht nur wenige Meter weit, manchmal wurde es so hell, daß
wir Hoffnung auf besseres Wetter hegten. In diesen Augenblicken genossen
wir das weite hügelige Land. Birkenwälder lösten sich mit
Nadelwäldern ab (was für Bäume das sind, muß ich
erst noch zu Hause lernen). Wenig hohe alte Bäume. An einem Waldstück
stand: "aufgeforstet 1982" und die Bäumchen waren man gerade
sechs Meter hoch und hatten einen Durchmesser 10 cm. Was haben wir da
nicht verstanden? Landwirtschaft gab es nicht, Unterwegs einige Ortschaften,
die aus einer Tankstelle (sorry, gas is out, look next 50 km!) und einer
Gaststätte bestanden. Ausnahmen: Taylor nach 55 km soll 1.100
Einwohner haben, aber davon ist nicht viel zu sehen. Nur das dominierende
Kraftwerk schleudert unübersehbar seinen Qualm in die Luft. Nach
80 km dann die zweite Stadt: Fort St. John. Einst ein Pelzhandelsvorposten,
boomte die Stadt in den 50er Jahren durch Erdöl- und Gasvorkommen,
daß jetzt 15.000 Menschen hier wohnen. Sie macht einen tristen,
uninteressanten Eindruck.
Ein paar Worte zur Architektur.
Häuser aus Stein sind West-Kanada selten, sieht man mal von Großstädten
wie Vancouver und Victoria ab. Die Wände werden aus Rahmen gebaut,
deren Verstrebungen aus Brettern von ca. 10x3 cm bestehen. Die werden
einschließlich Dach mit Spanplatten belegt und dann "dekorativ"
mit Brettern beschlagen oder mit Platten behängt, das Dach wird mit
Blech belegt. Schön ist keines dieser Häuser und nordische Winter
sind sicherlich nur mit niedrigen Energiekosten zu überstehen. Brandschutz
ist nicht zu erkennen, selbst bei mehrstöckigen Häusern gibt
es keine Feuertreppe. Meist werden 1-2 Familienhäuser gebaut, deshalb
sehen Städte wie Fort St. John wie Dörfer aus, die allerdings
unnormal breite Straßen haben. Wenn man Fahrspuren malen würde
(die es nicht gibt), würden sicherlich 6 herauskommen.
Hinweisschilder warnten vor Elchen auf der Straße und tatsächlich
sahen wir in "lichten" Augenblicken fünf Stück, von
denen sich eine Elchkuh mit ihrem Kalb fotografieren ließ.
Caribous sahen wir nur auf Warnschildern und Wapitis nur von hinten. Von
einer Postkarte habe ich gelernt, das "Wapiti" der indianische
Name des kanadischen "elk" ist.
Das Wetter wurde nicht besser, es blieb dunkelgrau. Schade, sicherlich
gab es viel zu sehen unterwegs. So aber waren wir froh, als wir in Fort
Nelson den Campingplatz erreichten. Mit Donner und Blitz läutete
das Wetter den Abend ein.
Kurz hinter Dawson Creek hat uns das Funknetz verlassen und bis jetzt
sind wir nicht erreichbar. Ob das jetzt so bleibt?
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Das Roadbook versprach für heute "einen der attraktivsten
Streckenabschnitte des Alaska Highways." Zum Glück hat
es das nicht gestern versprochen, denn dann hätten wir nichts gesehen.
Heute war es zwar dunkel, die Wolken hingen nicht sehr hoch, aber es regnete
nicht! So stellt man sich Kanada vor, so kennt man es von Bildern und
aus Filmen. Frühlingshaftes Grün der Birken zieht sich die Hänge
bergauf, die hoch über der Baumgrenze in kahlen, im Gegensatz zu
den Zentral-Rockies, runden Felskuppen auslaufen. Erreicht der Straßenverlauf
eine Kuppe, sieht man endlos weit, doch verliert sich die Weite in den
Wolken.
Wenige Meter Höhenunterschied bedeuten einen unterschiedlichen Vegetationsfortschritt.
Waren wir eben noch im Frühling, sind wir im nächsten Augenblick
wieder im Winter.
Was als Ortschaft mit Entfernungsangabe am Highway ausgewiesen wird, entpuppt
sich als Tankstelle mit Lodge oder Restaurant oder Outfitladen. Z.B. die
Tetsa River Lodge, an der wir eine Deutsche kennenlernten, die
vor drei Monaten einen Kanadier geheiratet hat und nicht weiß, wann
oder ob sie eingebürgert wird.
Im Stone Mountain Provincial Park erreichten wir am Summit Lake
Pass mit 1295 m den höchsten Punkt des Highwayverlaufs in den
Ausläufern der Rocky Mountains. Hier windet sich der Highway durch
eine Kalksteinschlucht hinunter in den Muncho Lake Provincial Park und
zum Muncho Lake. Der See weist eine intensive grüne Färbung
auf, die auf Kupferoxiden beruht. Das Eis auf dem Wasser intensiviert
die Farbe noch.
Ein Straßenschild warnte vor Wildpferden. Wir konnten das
gar nicht glauben und waren sehr überrascht, als wir auf eine Herde
trafen. Stolze Tiere, die uns nicht nahe herankommen ließen!
Und dann waren wir in Liard River Hot Springs auf einem Naturcampingplatz,
der als Stellplatz weder Strom noch Entsorgung bot, aber ein anderes unschätzbares
Erlebnis bot: Die Hot Springs. Mitten im Sumpfgelände sprudeln heiße
Quellen in acht Pools. Zu zweien gelangt man über einen Holzsteg
und kann sich dann in 40° bis 50°C heißem mineralreichem
Wasser der naturbelassenen Becken aalen. Welch eine Wohltat in dieser
herrlichen Umgebung!
Am Abend wurde gefeiert. Joachim hatte Geburtstag und zu gegrilltem Steak
mit Bier und Wein geladen. Am Feuer im Bullerofen ließ sich die
Kälte aushalten. Es wurde ein langer Abend!
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Natürlich konnten wir heute nicht abfahren, ohne noch einmal in den
heißen Pools zu baden! Da heute nur 220 km zu waren, taten wir das
ausgiebig! Noch im Wasser fing es an zu regnen, was das Baden noch schöner
machte, aber das Fahren nicht. Nach einer ausgiebigen Schotterstrecke,
die mal wieder die Herdplatte aus den ausgeleierten Federn springen ließ,
wurden wir alsbald mit zwei Bisons am Straßenrand belohnt,
die sich in aller Ruhe bestaunen ließen. Was für mächtige
Urtiere! Dazu paßte der gewaltige Liard River, der über die
Ufer getreten war und in seiner reißenden Strömung ganze Bäume
mitriß.
Vielleicht sollte ich die Tagesüberschriften ändern und sie
nach den Tieren benennen, die wir unterwegs sehen. Bald nach den Bisons
ließ uns ein Rotfuchs halten, der an der Berme nach Mäusen
suchte. Ich hatte den Eindruck, daß er größer war und
einen schöneren, buschigeren Schwanz hatte als unsere heimischen
Füchse!
Noch einmal stoppten wir, um zwei Bisons zuzusehen, dann ging Gilas Wunsch
in Erfüllung und ein Schwarzbär gab sich die Ehre. Wir hatten
einen Logenplatz und eine ganze Stunde lang fotografierte Gila jede Bewegung
des Bären. Immer wieder mußten wir uns vergegenwärtigen,
daß der Bär frei und dies hier kein Zoo war. Unglaublich, man
einfach so einem Bären begegnen. Wie gut, daß wir im Auto saßen!
Irgendwann erreichten wir Watson Lake. Mit 1.700 Einwohnern für
hiesige Verhältnisse eigentlich eine Großstadt, von der aber
nicht viel zu sehen ist. Eine breite Straße und viel Schrott und
Gammel. Leider war die Attraktion, das Northern Light Center geschlossen,
aber eine weitere Sehenswürdigkeit gab es, den Sign Post Forest.
Hier sind ca. 50.000 Schilder aus aller Welt an Pfosten genagelt und zu
einem Wald angewachsen. Hätte ich das vorher gewußt, hätte
ich in einer Nacht- und Nebelaktion unser Brettorfer Dorfschild abgebaut!
Mittlerweile sind wir in den Yukon Territories angekommen. So ganz
konnte sich der Highway nicht dazu entschließen, denn er kreuzte
einige Mal die Provinzgrenze. Am Abend hatte der Regen aufgehört,
es war kalt und auf dem Campingplatz lagen noch Schneereste. Aber es soll
besser werden. Natürlich, denn wir sind ja unterwegs!
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Wieder lag ein Mammuttag
vor uns: 440 km sollten es nach Whitehorse werden. Das hinderte
uns nicht daran, wie immer um 7:00 Uhr aufzustehen und gemütlich
Kaffee zu trinken.
Es war noch immer kalt und feucht, als wir losfuhren, die Wolken drohten
am Himmel. Unser Roadbook sprach "von einer langen einsamen Strecke,
die kaum Gelegenheit zu sinnvollen Zwischenstops bietet." Das
empfanden wir aber ganz anders. Die Strecke ist wirklich einsam, es gibt
nur etliche Campgrounds, die aber noch geschlossen sind, nur Teslin
macht einen etwas "größeren" Eindruck. Aber es ist
wieder das Kanada, von dem man träumt. Zig Kilometer Wald, der irgendwo
am Horizont an einer Bergkette endet, unterbrochen von einem Creek oder
River, oder einem Lake, auf dem noch das Eis des Winters schwimmt. Das
Wetter wird besser, blauer Himmel kommt durch und läßt die
Berggipfel mit ihren weißen Puderhauben leuchten. An jeder Kurve
können wir halten und träumen und manchmal heulen wir wie ein
Wolf, der meint, die ganze Welt gehöre ihm. So empfinden wir auch.
Es könnte endlos so weitergehen.
Der Highway ist nicht sehr befahren, doch schon jetzt sind deutlich mehr
Camper unterwegs als LKWs. Diese Motorhomes haben typisch kanadische Dimensionen.
Sattelauflieger mit Tandem- oder sogar drei Achsen liegen auf Pickups.
Der PKW wird an einer Abschleppstange hinterhergezogen. Das Steuer ist
festgestellt, so daß der PKW auf starren Achsen um die Kurven rubbelt.
Slide Outs (ausfahrbare Verbreiterungen des Wohnbereichs) haben alle diese
Riesenwohnwagen. Wie muß es erst im Juni/Juli auf dem Highway aussehen,
wenn nicht nur alle Zeltplätze geöffnet haben, sondern auch
die Overflowcamps aktiviert sind!
Schließlich, nach vielen Pausen, kamen wir in Whitehorse
an. Hier ist der erste Teil unser Fahrt nach 3.971 km zu Ende. Morgen
ist ein Puffertag, der notwendig ist, da uns das Schweizer Paar verläßt
und nach Hause fliegt. Schön, daß wir den Anschluß, die
Alaskafahrt, noch vor uns haben und wir nicht abfliegen müssen!
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Der Regen, der in der Nacht auf unser Pappdach trommelte, ließ uns
nur noch besser und länger schlafen. Wir beeilten uns nicht, in die
Stadt zu kommen. Großstädte sind nicht so unser Fall. Whitehorse
ist 19.000 Einwohnern schon fast beängstigend groß. Wir hatten
vergessen, daß in Kanada alles anders ist. Wieder kamen wir in ein
überschaubares Städtchen, das für uns unproportioniert
wirkt, da die Häuser nur maximal zwei Stockwerke haben, aber die
Straßen eine Breite, die New York alle Ehre gemacht hätten.
Bei manchen Häusern hat man versucht, die alte Westerntradition aufrecht
zu erhalten. Ansprechende Läden laden zum Bummeln ein. Wahrzeichen
der Stadt ist ein 1937 erbauter Raddampfer, die Klondike II.
Das Yukon Beringa Interpretive Centre zeigt auf anschauliche und
spannende Weise das Werden, die Zeit und das Ende der beringischen Landbrücke
zwischen Sibirien und Alaska mit den Auswirkungen auf Fauna und Flora.
Heute Abend findet unser Abschiedsessen statt, das wir vorziehen, um es
gemeinsam mit denen zu genießen, die uns morgen, bzw. nächste
Woche verlassen.
Solltet ihr diesen Bericht morgen im Netz vorfinden, so hat es geklappt,
daß ich mit einem gekauften RJ11-Telefonkabel über das öffentliche
Telefon ins Netz gekommen bin. Also Daumen drücken!
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