|
13.06. - |
Wieder in der Werkstatt!
|
|
||||
|
13. Juni: Hängen geblieben in Prince George Der Morgen ließ sich so gut an. Die Sonne gestand uns eine lange Pause an einem Fluß zu und in Prince George hatte auch am Sonntag ein Supermarkt auf. Schon beim Anfahren hatte der Motor einen dumpfen Klang, den ich kannte. Dazu kam schwarzer Qualm aus dem Auspuff, der erst bei höheren Drehzahlen verschwand und die Leistung war geringer. Habe ich nicht schon oft genug davon berichtet? 40 km hinter der Stadt machten wir Pause und danach beim Starten blinkte wieder einmal die gelbe Motorstörlampe. ES war wieder einmal soweit. Dieses hat es 9.700 km gedauert. Also zurück nach Prince George, immerhin ist das die größte Stadt mit 80.000 Einwohnern auf 500 km im Umkreis. Jedenfalls nach Süden und Osten hin, nach Norden ist es noch weiter. Also musste ich die Lösung hier suchen. In Prince George gibt es keine Mercedes-Werkstatt und ob eine andere uns helfen kann, werden wir morgen herausfinden. Die nächste Mercedes-Werkstatt ist 540 km entfernt in Kamloops. Was die kann, werden dann erfragen. An Mercedes-Deutschland habe ich einige Fragen gestellt. Auf deren Antworten bin ich gespannt! Schlafen werde ich heute Nacht jedenfalls nicht sehr gut. 14. Juni: 1. Werkstatttag in Prince George Auf Empfehlung des Campingwartes fuhren wir zu NR-Motors, die sich als reine Motorhome-Werkstatt entpuppte. Diese empfahl uns die Firma Northland-Chrysler-Dodge, die auch Sprinter vertreiben sollen. Dort brachten wir den Vormittag zu, um dann zu erfahren, dass sie den Bordcomputer nicht auslesen könnten, es fehlte die Software. Auf mein Erzählen hin machten sie das gleiche wie Mercedes Cancun: sie reinigten ein paar Kontakte im Luftstromweg und wechselten den Luftfilter, aber das brachte alles nichts, der Fehler liegt woanders. Sie telefonierten mit einer anderen Firma: Benchmark Service Ltd., die sollten den Computer auslesen können. Also dahin. Sie konnte! Sie konnte sogar noch mehr. Sie ist einem Verbund angeschlossen, über den man Zugriff auf eine Software im Internet hat, die die "undocumented codes" kennt und eine detaillierte Fehlersuche anbietet. Der Nachmittag wurde damit zugebracht, den Fehler zu lokalisieren und als Ergebnis stellte sich ein kaputter Sensor heraus, der sogar verfügbar ist und morgen früh ais Vancouver hier eintreffen soll. Der Mechaniker ist sich sicher, dass dann alles ok ist! Wir dürfen auf dem Firmengelände übernachten, zum Ausgehen ist uns nicht zumute. Wir werden gleich schlafen gehen und den morgigen Tag mit Ungeduld erwarten! 15. Juni: 2. Werkstatttag in Prince George, zum Mount Robson zurück Der Sensor war schon um 9 Uhr da und beim Rausnehmen des alten zeigte sich, dass Öl in dem Steckloch ist. Erst Verwirrung, dann meinte der Chef, das sei normal. Die Messwerte stimmten nach dem Wechsel auch, aber die Lampe blinkte immer noch. Eine Probefahrt zeigte keine Verbesserung in der Leistung. Jetzt meinte der Mechaniker, dass er mit seinem Latein am Ende sie und rumprobieren wollte. Das lehnte ich ab, besonders da er versicherte, dass der Wagen nicht stehen bleiben würde. Weiter fahren können wir so nicht. Nicht in die Einsamkeit, in der auch kein Handy mehr funktioniert. Nach vielem Hin und Her beschließen wir, die Fahrt abzubrechen und uns auf Südostkurs Richtung Baltimore zu begeben. Das Auto muß zuerst wieder richtig in Schuss gebracht werden. Auf dem Wege liegt Edmonton, wo es einen Mercedes-Händler gibt. Auch er wird diesen europäischen Sprinter nicht kennen, aber vielleicht kann er ihn so präparieren, dass wir damit nach Hause kommen. Also machen wir uns mittags auf die Socken Richtung Edmonton. Irgendetwas musste passiert sein, denn meine Lichtorgel am Armaturenbrett war verschwunden. Keine SRS-Meldungen mehr, kein Aufblitzen der Brake- und Parklampen, die alle Lichter stottern ließen. Wie das geschehen ist, weiß ich nicht. Die Stecker vom Bordcomputer waren auch in anderen Werkstätten ohne Erfolg abgezogen worden. Doch wenn ich wieder und wieder irritiert auf den Tacho schaute, blinkte mich die gelbe Lampe hämisch an und sagte. "denk an La Paz!" Also machen wir uns mittags auf die Socken Richtung Edmonton. Es war eine traurige Fahrt! Jeder stierte und schwieg vor sich hin. Für die Landschaft, auch wenn wir sie von der anderen Richtung her kennen, hatten wir kein Auge. Das Auto quälte sich die Hügelchen hinauf, wie wir es nicht einmal aus den Anden her kannten. Fast zu spät für ein Foto sahen wir eine Elchkuh mit ihrem Jungen die Straße überqueren. In einem Café mit Wifi am Wegesrand stellten wir bei Seabridge eine Anfrage wegen der Rückverschiffung. So schafften wir heute noch 350 km bis zu einem Campground am Mount Robson. Bleiben noch 450 km bis Edmonton. Das sollten wir morgen schaffen. 16. Juni: Nach Edmonton Um 5 Uhr hielt es uns nicht mehr im Bett, um so mehr, als ein paar Kilometer weiter, wenn wir nach Alberta hineinfahren, die Uhren wieder um eine Stunde vorgestellt würde. So müssen Depressionen aussehen: die Sonne scheint, der Himmel ist blau, die Landschaft grün, die Vögel zwitschern - und du siehst nichts. Vom Campground bin ich nach links abgebogen und es dauerte 28 Kilometer, bis wir merkten, dass ich wieder nach Norden fuhr. Falsche Richtung! Also drehen. Kurz hinter Jasper zwang uns ein Wapitibulle zum Anhalten, der direkt neben der Straße äste. Ich stieg aus und stellte mich dicht an das Womo, als der Hirsch nur knapp 2 m an mir vorbei die Straße überquerte. Ich konnte nur noch die Luft anhalten. Welch ein majestätisches Tier! Als ich dann noch einen zweiten Hirsch durch den See schwimmen sah, war ich ganz aus dem Häuschen. Ein wenig kamen wir aus unserem Schneckenhaus herausgekrochen und schauten bis Edmonton nicht mehr ganz so grau aus der Wäsche. Dank GPS, einem Stadtplan vom Visitor Center und der konsequenten quadratischen Anordnung und Durchnummerierung der Straßen war es einfach, die Mercedes-Werkstatt zu finden. Eine riesengroße Firma, in der alle Luxusautos nvon Mercedes vertrieben wurden, der Name Finecars Ltd. Suggerierte es schon, aber auch viele Sprinter. Meine Hoffnung stieg. Unkonventinell und schnell wurde unser Auto in die Werkshalle gefahren und ich wurde gleich auf deutsch angesprochen. Zwei deutsche Mercedes-Mitarbeiter machten ein Praktikum in Edmonton. Christian, kanadischer Assistant Service Manager, schloss das Diagnosegerät an und stellte fest, das der Luftfilter gewechselt worden war, dass nur der Bordcomputer resettet werden musste. Danach sie alles in Ordnung sagte er mir. Skeptisch machte ich eine Probefahrt und tatsächlich, die Power war wieder da, die gelbe Lampe war aus! Aber das war sie in den Vorigen Mercedes-Werkstatt-Besuchen auch und ging nach dem ersten Ausschalten des Motors wieder an. Ich erfuhr, dass nach einem Luftfilterwechsel immer der Computer resettet werden muss. Welch eine Sauerei, so ist man auf Mercedes angewiesen! Ich verstand das alles nicht so genau, es passte nicht so ganz mit den vergangenen Erlebnissen zusammen, aber egal, der Motor lief wieder! Wie lange das nun gut geht, konnte er mir auch nicht sagen. Erleichtert und ziemlich groggy nahmen wir den erstbesten Campingplatz am Wege. Bei einem Tee beschlossen wir, es zu wagen und auf dem kürzesten Wege nach Alaska zu fahren. Doch zum Freuen waren wir noch nicht in der Lage. Seelisch wie körperlich war der Tag zu anstrengend gewesen. Erst mal schlafen! 17. Juni: Nach Norden??? Trotz der Aufregung haben wir tief und fest geschlafen, da hat es uns nicht gestört, dass der RV-Platz mitten in einem Industriegebiet lag. Beim Frühstück stand es fest, dass wir es wagen und auf dem kürzesten Weg nach Alaska wollten. So nahmen wir den HWY 43, der uns direkt nach Dawson Creek bringen sollte. Unsere Stimmung stieg von Kilometer zu Kilometer, auch wenn ich misstrauisch auf die Instrumente schielte. Nach 100 km hatte ich meine permanente gelbe Motorstörlampe wieder, das war ok, die Lichtorgel aus SRS-, Brake- und Parklampen hätte ich aber nicht gebraucht, aber damit kann ich leben, schließlich begleiten die mich seit Santiago de Chile. Dann nach weiteren 170 km zwei gelbe Lampen: ABS und ESP. Dazu 3 Displaymeldungen: ABS- Werkstatt aufsuchen, ESP- Werkstatt aufsuchen, das Symbol eines Reifens, dazu Werkstatt aufsuchen. Was sollte das wieder? Rechts ran, das Bordbuch war wenig aufschlussreich. Nach einem Neustart hatte sich nichts verändert. Nach zwei weiteren auch nicht. Vom Mercedes Notfalldienst in Deutschland nur schwammige Aussagen. Aus rechtlichen Gründen dürften sie nichts sagen. Die Mitarbeiter bei Mercedes-Edmonton waren alle beschäftigt, man riet mir umzukehren und in die Werkstatt zurückzukommen. Das tat ich auch. Nach 150 km Fahrt mit all den Meldungen machten wir eine Pause, um die Nerven zu stärken. Als wir wieder losfuhren, waren alle ABS-ESP-Fehlermeldungen weg. Wie das? Ungläubig fuhren wir weiter. An dem Visitor Center Whitecourt machten wir eine Pause und lenkten uns in einer Ausstellung und mit vielen Prospekten ab. Eine bedrückte fast sprachlose Sitzung in der Sonne machte es klar: So können wir nicht in die Einsamkeit fahren, unerreichbar weit von jeder Mercedes-Werkstatt, die als einzige in der Lage ist, den Bordcomputer zurückzusetzen! Was bleibt also? Wir werden die Rückverschiffung bestellen und bis dahin durch die USA nach Osten tingeln. Zeitplan später. Jetzt müssen wir erst mal trauern. 18. Juni: Nach Süden an den Sylvan Lake, Alberta Zu dem Campground gehört auch ein 9-Loch Golfcourse und ein 2 Meilen langer Naturtrail durch das Hügelgelände des Platzes. In einem Teich hatten Bieber ihre Burg gebaut, die mindestens drei Meter hoch aus dem Wasser aufragte. So eine große Burg habe ich bisher noch nicht einmal auf Fotos gesehen. Rundherum waren frisch durchgeknabberte Bäume zu sehen. Gil fand ihre erste Rotkappe in diesem Jahr und war glücklich und bereit, um jedes Stückchen Pilz mit den Wurmbewohnern zu kämpfen. Ein schöner besinnlicher Spaziergang. Unser Auto startete ohne Mucken, weiter ging wieder nach Südwesten, doch nicht lange, denn noch vor Edmonton bogen wir nach Süden ab. Die Landkarte hier ist genauso einfach wie die Stadtpläne: Schachbrettartig Nord-Süd und Ost-West gerichtet. Auf der Landkarte sieht das fürchterlich eng und bebaut aus, doch wir sind heute 250 km nach Süden gefahren und sind durch zwei "Dörfer" gekommen. Die Landschaft ist leicht hügelig mit hauptsächlich Weiden unterbrochen von wenig Wald. Wenn man nicht so weit von den Hügeln ins Land schauen könnte, könnte man meinen, in Dänemark zu sein. Am Sylvansee, in einem winzigen Provincial Park schlugen wir auf einem großen Campground unser Lager auf. Wifi gibt es hier natürlich nicht, da müssen wir auf eine größere Stadt und einen Coffeeshop warten. |
||||||
![]() Bieberburg |
![]() Frisch bearbeitet |
![]() Glückliche Gil mit Rotkappe |
![]() Endlose Straßen nach Süden in Alberta |
|
19. Juni: Nach Turner Valley In Sylvan Lake einem netten Ort am gleichnamigen See mit einem unkompetenten Visitor Center, dafür aber umso besserer Bibliothek mit Wifi konnten wir E-Mails abholen und mit der Antwort von Seabridge sind wir nun in der Lage, unsere Rückfahrt zu planen. Wir bekamen auch Berichte von Rainer und Susi, die ganz in der Nähe übernachtet haben, wo wir umgehrt sind. Das alles macht uns noch trauriger. Auch der HWY 22, der uns stracks nach Süden führt, kann uns nicht fröhlicher machen, denn nach und nach verlässt er das "dänische Hügelland" und während er uns in 1.300 m Höhe bringt, wird auch die Landschaft wieder waldiger, Schwarzfichten begleiten wieder unseren Weg. Doch nicht nur die, am westlichen Horizont grüßen die in Schnee gehüllten Felszacken der Rockies, Luftlinie keine 100 km entfernt. Sie machen uns richtig wehmütig. Auf der Höhe von Radium Hot Springs beziehen wir in dem kleinen Dorf Turner Valley einen ebenso kleinen RV-Platz. Es ist dringend notwendig, dass ich lerne, die letzten Wochen zu genießen und nicht immer hypnotisiert auf den Tacho zu starre. |